Der Schwarze Kanal: »Sender Jerewan««
Gegründet 1947 Donnerstag, 4. Juni 2020, Nr. 128
Die junge Welt wird von 2295 GenossInnen herausgegeben
Der Schwarze Kanal: »Sender Jerewan«« Der Schwarze Kanal: »Sender Jerewan««
Der Schwarze Kanal: »Sender Jerewan««
Aus: Ausgabe vom 01.04.2020, Seite 10 / Feuilleton

Kaas, Strub

Von Jegor Jublimov
Deutschsprachige_Ers_18373641.jpg
Unvergessene Wortgefechte: Olga Strub (2008)

Vorgestern war der 90. Geburtstag des dänischen Schauspielers Preben Kaas, der nicht nur in seiner Heimat beliebt, sondern auch in der DDR »Kult« war – nur kannten ihn viele Zuschauer nicht unter seinem bürgerlichen Namen, sondern als »Dynamit-Harry« aus der »Olsenbande«. Diese Rolle hat er nur in zwei Filmen gespielt: »Die Olsenbande in der Klemme« (1969) und »Die Olsenbande läuft Amok« (1973). Den versoffenen Bruder von Benny (auch einen Schluck Nitroglyzerin verachtete er nicht) spielte Kaas »in der Klemme« so eindrucksvoll, dass er damit den Ton der ganzen Serie prägte. Um so komischer, als er zum »Amoklaufen« zurückkehrte und zunächst stocknüchtern war. Eine hübsche Rolle hatte Kaas, der auch in mehreren Episoden der TV-Serie »Oh, diese Mieter!« mitspielte, in »Die Olsenbande fährt nach Jütland«. Seine Darstellung des Betterøv, der Gehilfe eines Schrotthändlers, ist ein Kabinettstück.

Schon als Kind und Jugendlicher hat der Sohn eines Kapellmeisters in vielen Filmen gespielt. Fünf Dutzend wurden es im Lauf der Jahre. Er war Autor, Regisseur, Sänger – ein Allroundtalent. Auch ein Theater hat er eine Zeitlang geleitet. Leider litt er an einer unheilbaren, sehr schmerzhaften Krankheit. Aus diesem Grunde lenkte er drei Tage vor seinem 51. Geburtstag seinen Wagen ins Kopenhagener Hafenbecken und ertrank. Zwei Monate später kam sein letzter Film in die dänischen Kinos. Sein Sohn Nikolaj Lie Kaas zählt heute zu den international bekanntesten dänischen Schauspielern.

Der Baseler Grafiker und Illustrator Heiri Strub war Gründungsmitglied der kommunistischen »Partei der Arbeit« in der Schweiz. Er schuf Bühnenbilder und Plakate, konnte aber aufgrund seiner politischen Einstellung nicht genug verdienen, um seine Familie zu ernähren. So ging er 1957 in die DDR. Seine Tochter Olga studierte Schauspiel in Schöneweide und erhielt ab 1970 ein Engagement am Berliner Ensemble. Unvergessen ihre Gestaltung der Titelrolle in Brechts »Turandot oder Der Kongress der Weißwäscher«, ihre Wortgefechte mit dem Kaiser von China, den Curt Bois spielte. Auch bei Defa und DFF stand sie vor der Kamera, als Schiefhütchen in Rainer Simons Märchenfilm »Sechse kommen durch die Welt« (1972); in einem der ersten »Polizeiruf«-Filme hatte sie eine Hauptrolle. Ab 1978 drehte sie im gesamten deutschsprachigen Raum und war zuletzt als Frau Held in drei Kommissär-Hunkeler-Krimis an der Seite von Mathias Gnädinger zu sehen. Schon lange lebt sie wieder in der Schweiz, wo sie übermorgen ihren 70. Geburtstag feiert.

Regio:

Mehr aus: Feuilleton