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Aus: Ausgabe vom 25.03.2020, Seite 10 / Feuilleton

Gudzuhn, Geißler, Pietsch, Lierck, Kaufmann

Von Jegor Jublimov
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Gab einen umwerfenden Hans Fallada: Jörg Gudzuhn (r.), hier bei der Verleihung der Grimme-Preise 2019

Jörg Gudzuhn, der im Kino einst Hans Fallada umwerfend präzise darstellte, wurde am Montag 75. Was für ein grandioser Theaterschauspieler er am Deutschen Theater war, kann man nachvollziehen, wenn man sich Aufzeichnungen der Thomas-Langhoff-Inszenierungen »Hedda Gabler«, »Drei Schwestern« und »Sommernachtstraum« aus den 80er Jahren oder Friedo Solters »Nathan der Weise« und »Diktatur des Gewissens« (beide 1989) anschaut. Jetzt spielt er immer wieder in Fernsehserien und kann davon wenigstens leben.

Ebenfalls am Montag wurde Renate Geißler 80, die man noch oft in alten »Polizeiruf«-Filmen sehen kann. Unvergessen ist sie in der Titelrolle des Dreiteilers »Jule – Julia – Juliane« (1972) von Ulrich Thein, man kennt sie aber auch aus Kinofilmen wie »Seitensprung« und »Dach überm Kopf« (beide 1980). Im November nahm sie am Hoftheater Dresden ihren Bühnenabschied. Vielleicht lässt sie sich aber doch noch mal zu einem TV-Gastauftritt überreden.

Am Beginn ihrer Fernsehkarriere stand Renate Geißler 1969/70 in dem Gegenwartsfilm »Heiner Fink« vor Wolfgang Pietschs Kamera, der morgen 85 wird. Er erhielt 1960 an der HFF Babelsberg das Diplom als Kameramann und zeichnete seit 1962 für zahlreiche Filme bei Defa und DFF verantwortlich. Nachdrücklich blieben seine Arbeiten für die Verfilmung von Anna Seghers’ Erzählung »Die große Reise der Agathe Schweigert« (1972) und die Storm-Adaption »Am grauen Strand, am grauen Meer« (1980) in Erinnerung. Optisch reizvoll war, wie er die Biographie des Grafikerpaares Hans und Lea Grundig 1975 in »Requiem für Hans Grundig« fotografierte.

In Berlin ein Publikumsliebling als Kabarettist bei der »Distel« und republikweit durch die »Stacheltier«-Kurzfilme als Komiker bekannt – das war Werner Lierck in den 50er Jahren. Altmeister Erich Engel wagte es 1958 in »Geschwader Fledermaus« als erster, Lierck in einer Charakterrolle einzusetzen. Auch das konnte er. Bis zu seinem Tode 1985 attackierte der Schauspieler das Zwerchfell seines Publikums. Er übernahm auch immer mal wieder eine ernste Rolle, etwa in »Die gefrorenen Blitze« (1967) oder »Ein altes Modell« (1976). Der Schauspieler, der seine Laufbahn nach dem Krieg an der Seite von Gert Fröbe in einem Münchner Kabarett begonnen hatte, wurde morgen vor 100 Jahren geboren.

Nur halb so alt und doch schon seit fast einem halben Jahrhundert dabei ist Deborah Kaufmann, seit Montag 50. Das Publikum sah sie erstmals 1972 in dem Lustspielklassiker »Der Mann, der nach der Oma kam«. Aber bei der Anderthalbjährigen war immer die Mutter dabei. Schauspielerin Angela Brunner und Schriftsteller Walter Kaufmann waren stolze Eltern einer begabten Tochter, die ab 1990 Bühnen und Bildschirme eroberte und inzwischen in der Netflix-Serie »Dark« auch ein internationales Publikum in ihren Bann zieht.

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