Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Gegründet 1947 Sa. / So., 28. / 29. März 2020, Nr. 75
Die junge Welt wird von 2267 GenossInnen herausgegeben
Probeabo abschließen und weiterempfehlen Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Aus: Ausgabe vom 25.03.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Schönwetterkapitalismus

»Bahnrettung« auf britisch

Medienbericht: Leere Züge, Kurseinbrüche: Regierung sozialisiert Verluste der Privaten
RTS36CTY.jpg
Momentan geht nichts mehr: Einsame Reisewillige auf Bahnsteig in London am 17. März

Die Coronaviruspandemie hat die privaten Bahngesellschaften in Großbritannien an den Rand des Ruins geführt. Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom Montag habe »die britische Regierung die privaten Eisenbahngesellschaften im Land faktisch verstaatlicht«.

Wie das Blatt schrieb, wurden »für mindestens sechs Monate« die bisherigen Franchise-Betriebsvereinbarungen suspendiert. Die Unternehmen können demnach alle Einnahmen und Kosten in dieser Zeit dem Staat überschreiben und erhalten eine kleine Managementgebühr von zwei Prozent, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, zitierte die FAZ das Verkehrsministerium.

Damit sozialisiert die Regierung des konservativen Premiers Boris Johnson die Verluste der Privaten. Die Umsätze der Bahnen seien seit Beginn der Pandemie um 70 Prozent und mehr gesunken. Viele Züge blieben demnach weitgehend leer, seit die Regierung die Bürger aufgerufen hatte, nicht unbedingt nötige Reisen und Fahrten abzusagen.

An den Börsen flüchteten die Anleger aus den Bahnaktien. So seien die Papiere des Branchenriesen »First Group« seit Mitte Februar um mehr als 75 Prozent abgestürzt. Ebenfalls um drei Viertel verbilligten sich die Papiere des Konkurrenten »Go-Ahead«. Allerdings ging es zu Wochenbeginn wieder leicht um vier bzw. acht Prozent aufwärts.

Die britischen Bahnen galten bereits vor der aktuellen Krise als Problemfall. So war Ende Januar der Vertrag mit der »Arriva Rail North« wegen »inakzeptablem« Service mit vielen Verspätungen und Zugausfällen beendet worden. Die Bahn wurde zum 1. März verstaatlicht. (jW)

Mehr aus: Kapital & Arbeit

Drei Wochen kostenlos: jetzt probelesen!