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Aus: Ausgabe vom 24.03.2020, Seite 1 / Inland
Rechter Terror

Maschinenpistolen und Nazidevotionalien

Brandenburg: »Schlag gegen internationale Waffenhändler«. Beschuldigte freigelassen
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Ermittler präsentierten sichergestellte Nazidevotionalien und Dutzende Waffen (Frankfurt/Oder, 23.3.2020)

In Brandenburg haben Ermittler Dutzende Kriegswaffen beschlagnahmt. Bei mehreren Durchsuchungen fanden Einsatzkräfte des Landeskriminalamts auch Nazidevotionalien, wie die Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) gemeinsam mit der Polizei am Montag mitteilte. Vorausgegangen seien Informationen des österreichischen Verfassungsschutzes zum Verkauf zweier russischer Maschinenpistolen an einen polizeibekannten Brandenburger.

Nachdem die Polizei aufgrund der Hinweise bereits am 1. März zwei Brandenburger verhaftet hatte, durchsuchte sie Wohnungen und Fahrzeuge und fand zunächst 28 Waffen sowie Munition. Darunter waren auch die beiden gesuchten Maschinenpistolen aus Österreich, wie die Ermittler weiter erklärten. Auch fanden sie demzufolge Nazisymbole wie einen Reichsadler mit Hakenkreuz.

Bei Durchsuchungen von Wohnungen und Fahrzeugen zweier weiterer Tatverdächtiger stießen die Ermittler erneut auf Waffen wie Maschinenpistolen, eine Panzerfaust aus dem Zweiten Weltkrieg, verschiedene Granaten und Zünder. Auch wurden menschliche Knochen gefunden, die vermutlich von Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs stammen. Mit Blick auf die sichergestellten Waffen und Nazidevotionalien sagte Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU), eine rechte Gesinnung der Täter sei durchaus naheliegend. Die Ermittler sprachen von einem »Schlag gegen internationale Waffenhändler«. Nach umfangreichen Geständnissen wurden die Beschuldigten jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt, weil den Angaben zufolge keine Haftgründe gegen sie vorlagen.

Behörden sind nach dem rechtsterroristischen Anschlag von Hanau am 19. Februar verstärkt gegen mutmaßlich neonazistische Vereinigungen wie die »Gruppe S.« und den »Aryan Circle Germany« vorgegangen. Darüber hinaus wurde in der vergangenen Woche bekannt, dass die Zahl der nicht mehr auffindbaren Schusswaffen in Privatbesitz einen Rekordstand erreicht hat. Ende Januar 2020 war laut nationalem Waffenregister der Verbleib von 33.191 registrierten Schusswaffen unklar, wie der Tagesspiegel zuerst berichtet hatte. (AFP/jW)

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