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Aus: Ausgabe vom 17.03.2020, Seite 8 / Ansichten

Panik im Westen

Wirtschaftskrise trotz Konjunkturpaketen
Von Simon Zeise
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Lange Gesichter an der New Yorker Börse

Nichts geht mehr. Die Staatschefs und Notenbanker des »Westens« können sich auf den Kopf stellen, doch die Krise bekommen sie nicht in den Griff. Am Montag stürzten die Börsenkurse in Frankfurt am Main und an der New Yorker Wall Street erneut um zehn Prozent – wenn es so weitergeht, können die Kapitalisten den Laden in den nächsten Tagen zumachen.

Und das, obwohl die Regierungen alles tun, um ihre reichen Schützlinge zu beruhigen. Die US-Notenbank zog am Sonntag abend die Reißleine. Der Leitzins wurde auf null bis 0,25 Prozent gesenkt, Banken werden mit weiteren Milliarden Dollar versorgt. In der vergangenen Woche hatte die Fed bereits 1,5 Billionen Dollar in den Finanzmarkt gepumpt. Der Internationale Währungsfonds zog am Montag nach und kündigte an, willens zu sein, die Kreditkapazität von einer Billion US-Dollar auszureizen. Weltweit abgestimmte Konjunkturhilfen würden Stunde für Stunde dringender, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa. Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Mário Centeno, sieht die Volkswirtschaften in der Währungsunion »in kriegsähnlichen Zeiten«. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte am Freitag gewarnt: »Wir sind mitten in einer der tiefsten, wenn nicht in der schwersten Wirtschaftskrise, die wir je erlebt haben.« Im Augenblick sei es wichtig, diese Wirtschaftskrise zu überstehen – damit »Europa nicht kollabiert«.

Die Einschätzung der EU-Kommission ist völlig zutreffend. Doch der Westen steuert sehenden Auges auf den Abgrund zu. Washington gibt den Takt vor: Unternehmenssteuern senken, die wenigen Sozialstandards beschneiden. Finanzielle Maßnahmen für Beschäftigte und Investitionen in Mehrwertproduktion bleibt aus. In Deutschland können sich Erwerbstätige auf Lohneinbußen von bis zu 40 Prozent einstellen.

Spekulanten dürfen sich austoben. Ein Verbot von Finanzwetten kommt den Regierenden nicht in den Sinn. Angeschlagene Unternehmen sind leichte Beute für Leerverkäufer. Die Finanzhaie halten mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. So sagte Hendrik Leber, Chef der Kapitalverwertungsgesellschaft Acatis Investment, dem Focus: »Ich habe meinem Team gesagt: Lasst uns auf die Jagd gehen. Denn uns kommen reihenweise tolle Gelegenheiten entgegen. Aktien, die bisher immer zu teuer waren. Ich bin in einer richtig positiven Stimmung.« Mit den Worten von US-Milliardär Warren Buffett: »Erst wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer nackt schwimmt.«

Der Präsident des Sparkassen- und Giroverbands, Helmut Schleweis, sieht sich bereits genötigt, Kunden zu beruhigen. Die Versorgung mit Bargeld sowie alle weiteren Finanzdienstleistungen seien sichergestellt. Die Bargeldversorgung und die Zahlungssysteme sind und bleiben funktionsfähig, versuchte er zu beschwichtigen. Auf den Hamsterkauf folgt der Bankenrun.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

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