Gegründet 1947 Donnerstag, 2. April 2020, Nr. 79
Die junge Welt wird von 2267 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 11.03.2020, Seite 8 / Ansichten

Alles für die Rendite

Deutsche Post mit sattem Gewinn
Von Steffen Stierle
Zustell_Branche_feil_63681291.jpg
Buckeln für Aktionäre: Den Beschäftigten bleiben Stellenabbau und Lohndrückerei statt Extradividenden

Kaum ein Geschäftsmodell ist profitabler als das privatisierte Staatsmonopol. Einst aufgebaut mit dem Zweck, eine qualitativ hochwertige Versorgung mit öffentlichen Gütern wie Transport, Wasser, Strom oder eben Postdienstleistungen zu bezahlbaren Preisen zu gewährleisten, gibt es nach der Privatisierung schier endlose Spielräume für renditeträchtige Kürzungsmaßnahmen. Und da man aus der »Mono-Pole Position« heraus startet, lassen sich die Preise trotzdem schamlos in die Höhe treiben. Die Kunden haben ja keine Alternative. Neue Wettbewerber lassen sich mit Leichtigkeit kleinhalten, wenn man erst mal in marktbeherrschender Stellung ist.

Die Deutsche Post taugt seit 25 Jahren als Paradebeispiel für dieses Modell. Das Filialnetz wurde immer weiter ausgedünnt, bis an die Grenze des im Postgesetz Möglichen. Auch der Weg zum Briefkasten wird für die Kunden immer weiter, denn einer nach dem anderen wird abmontiert. Personalkosten werden durch die Billigsparte DHL und Subunternehmertum eingespart. Das Ergebnis ist ein dramatischer Qualitätsverfall. Die Zahl der bei der Bundesnetzagentur registrierten Beschwerden verdoppelt sich zuverlässig von Jahr zu Jahr.

Satten Preissteigerungen tut das keinen Abbruch. Zwar musste der Konzern im Februar die allzu dreisten Preisaufschläge im boomenden Paketgeschäft wieder zurücknehmen. Doch zuletzt drastische Portoerhöhungen bei der Zustellung von Briefen und Zeitungen reichen aus, um weiterhin einen Renditerekord nach dem anderen aufzustellen. Nicht ohne Stolz konnte daher am Dienstag für das vergangene Jahr ein »Rekordergebnis« verkündet werden. Dass davon nicht Beschäftigte und Kunden begünstigt werden sollen, auf deren Rücken der Rekord ja erst ermöglicht wurde, stellte die Unternehmensführung unmissverständlich klar – mit der Ankündigung einer weiteren kräftigen Anhebung der Ausschüttungsquote.

Freuen dürfen sich die Aktionäre indes nicht nur über bemerkenswert großzügige Dividenden für das Rekordjahr 2019. Auch für 2020 werden weitere Profitsteigerungen angepeilt. Hier kommt ein weiterer Vorteil des früheren Staatsmonopols ins Spiel: Auf politische Schützenhilfe kann man sich verlassen. Längst hat Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) angekündigt, das Postgesetz überarbeiten zu wollen. Schließlich ist da etwa festgeschrieben, dass an sechs Tagen pro Woche zugestellt werden muss. Dabei sehen die EU-Regeln als Minimum einen Tag weniger vor. Der Spielraum für Extraprofite sticht ins Auge. Stellt man nur noch an fünf Tagen zu, braucht es weniger Personal. Widerstand seitens der zuständigen Bundesnetzagentur ist nicht zu erwarten.

Und so dürfen sich die Post-Aktionäre weiterhin auf pralle Ausschüttungen einstellen, während die Beschäftigten mit Stellenabbau und Lohndrückerei rechnen müssen. Für die Kunden bleibt alles beim Alten: Die Leistungen werden teurer und schlechter.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Roland Winkler, Aue: Lenin nicht vergessen »Kaum ein Geschäftsmodell ist profitabler als das privatisierte Staatsmonopol«, schreibt Steffen Stierle treffend. Haben wir Älteren nicht einiges lernen und studieren dürfen über staatsmonopolistisch...

Mehr aus: Ansichten

*** Tageszeitung junge Welt, drei Wochen gratis lesen: www.jungewelt.de/testen ***

Jetzt drei Wochen gratis im Probeabo!