Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Gegründet 1947 Dienstag, 31. März 2020, Nr. 77
Die junge Welt wird von 2267 GenossInnen herausgegeben
Probeabo abschließen und weiterempfehlen Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Probeabo abschließen und weiterempfehlen
Aus: Ausgabe vom 19.02.2020, Seite 5 / Inland
Negativpreis

»Kaltherzige Beharrlichkeit«

Trotz Einschüchterung: Erneut Streik bei Schildautalklinik in Seesen
Von Bernd Müller
Demonstration_fuer_T_64254893.jpg
Trotz harter Bandagen der Asklepios-Schildautalklinik Seesen: Verdi und die Belegschaft halten dagegen

Im Tarifkonflikt zwischen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und der Asklepios Schildautalklinik in Seesen ist kein Ende in Sicht. Am Dienstag gab es erneut Streiks, an dem sich nach Gewerkschaftsangaben 180 Beschäftigte beteiligten. Verdi fordert nach wie vor, dass die Arbeitsbedingungen und Löhne an den branchenüblichen Tarifvertrag angeglichen werden. Der private Krankenhauskonzern lehnt dagegen jegliche Verhandlung ab.

Asklepios verweigere »erneut die Unterschrift unter eine gemeinsame Notdienstvereinbarung«, ohne die ein Streik Patienten in Gefahr bringen könnte, heißt es in einer Erklärung der Gewerkschaft. Der Kapitalseite ist es dadurch auch leichter möglich, den Streik ins Leere gehen zu lassen: Mit »widerrechtlichen Dienstverpflichtungen, Kündigungsandrohungen und Streikbruchprämien« versuche der Konzern die Beschäftigten vom Streiken abzuhalten, heißt es bei Verdi weiter.

Gewerkschaftssekretär Patrick von Brandt sagte im Gespräch mit jW, die Beschäftigten hätten sich am Dienstag auch über ihre Strategie verständigt und nächste Aktionen beschlossen. Man werde den Arbeitskampf intensivieren, länger und härter streiken. Wenn sich das Unternehmen jeglichen Verhandlungen verweigert, seien »Stationsstreiks und längerfristige Streiks nicht mehr ausgeschlossen«.

Die Auseinandersetzung im Tarifstreit zieht sich seit Monaten hin. Und hinter der Verweigerungshaltung des Konzerns steckt System. Unter anderem durch den Druck auf die Belegschaften hat er es nach Angaben der Gewerkschaft geschafft, seinen Vorsteuergewinn seit 2007 mehr als zu verdreifachen. Dabei verweigert er den Beschäftigten nicht nur Tarifverträge, sondern gliedert Teile der Belegschaft in gesonderte Unternehmen aus.

In Seesen betrifft das etliche Bereiche – »von der Technik über die IT bis hin zur Küche und dem Medizinischen Versorgungszentrum«, heißt es bei Verdi. Seit Jahresbeginn ist das therapeutische Personal über eine eigene Gesellschaft beschäftigt (jW berichtete). Durch »die Zerschlagung von gut integrierten Teams durch die Ausgliederung der Therapeuten« sei die Qualität der Patientenversorgung gefährdet, sagte Gabor Wuttke, der als Physiotherapeut in der Klinik arbeit.

Worum es dabei geht, ist für den Seesener Betriebsratsvorsitzenden Oliver Kmiec klar: Einschüchterung. Weil die Therapeuten bei den Arbeitskämpfen sehr präsent seien, seien sie zur »Zielscheibe dieses Einschüchterungsversuchs« geworden. Trotzdem hätten sich wieder alle von ihnen am Streik beteiligt, sagte von Brandt.

Für die Art und Weise, wie der Konzern mit seinen Angestellten verfährt, hat er Anfang Februar einen Preis bekommen: Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kürte die Schildautalklinik zum »schlechtesten Arbeitgeber der Region«; der Geschäftsführung wurde ein Korb mit Zitronen überreicht. Für den Negativpreis waren mehrere Unternehmen der Region nominiert. Susanne Ohse, Vorsitzende des DGB-Kreisverbandes Goslar, erklärte, weshalb die Wahl auf Asklepios fiel: »Wer mit solch kaltherziger Beharrlichkeit streikende Beschäftigte drangsaliert und mit Drohungen und Outsourcing überzieht, hat sich die goldene Zitrone mehr als verdient.«

Peter Zarske, stellvertretender Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes Northeim fügte hinzu: Es sei unerträglich, »dass Asklepios auf dem Rücken der Beitragszahler, Beschäftigten und Patienten Millionengewinne erwirtschaftet und sich gleichzeitig weigert, Tarifverhandlungen aufzunehmen«. Deshalb wolle man weiterhin solidarisch mit den streikenden Kollegen sein, bis der Kampf gewonnen sei.

Ähnliche:

  • Beim Krankenhauskonzern in Sachsen-Anhalt ist Kritik unerwünscht
    14.01.2020

    Nicht mit Verdi

    Klinikbetreiber Ameos will im Tarifkonflikt die Gewerkschaft raushalten
  • 30.04.2015

    Gemeinsam kämpfen

    Streiks in Krankenhäusern und Kitas, bei Post und Bahn erfordern Solidarität. Doch die Gewerkschaften sind zerstritten. Einheit ohne »Tarifeinheit« ist angesagt

Mehr aus: Inland

Jetzt drei Wochen gratis im Probeabo!