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Aus dem Kassettenarchiv

Von Rafik Will
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Gehört zu den Dingen, die vermutlich nicht wiederkommen: die gute alte Musikkassette

Dass Gespräche, die in den eigenen vier Wänden geführt werden, im Radio gesendet werden, ist eher selten der Fall. In Zeiten von Smartspeakern und ähnlichen Geräten kann so was allerdings schon mal passieren. Der Zeit voraus war Michael Stegemann mit seinem Ende des letzten Jahrhunderts entstandenen Hörspiel »Die Solipsisten oder Gemischtes Doppel mit Kind« (WDR 1998; Di., 19 Uhr, WDR 3): Ein Ehepaar geht hierin unverhofft mit privat geführten Dialogen auf Sendung. Etwas später übersetzt das Klangkunstduo Merzouga visuelle Kunst für Radiohörer: »The ­Language of Light – Music to the Work of Sean Scully« (Yleisradio Finnland/DLF 2019; Ursendung Di., 20.10 Uhr, DLF). Sonya Schönberger und Norbert Lang bringen »André Müller – Aus dem Kassettenarchiv eines radikalen Interviewers« (DLF Kultur 2018; Di., 22 Uhr, DLF Kultur) zu Gehör, ein Feature, in dem sie in den Nachlass des 2011 verstorbenen Journalisten und Schriftstellers eintauchen.

Ein Theaterschauspieler, der sich weigert, nach Vorstellungsende die Bühne zu verlassen, wird in Ludwig Fels’ Stück »Lappen hoch! Theaterschwadronade« (WDR 2003; Mi., 19 Uhr, WDR 3) von einem hundebewehrten Security-Mann weggeräumt. Ein Krimi, der sich mit Gewalt gegen Kinder befasst, ist Alexandre Seurats »Die Ungeschickte« (DLF Kultur 2019; Mi., 20 Uhr, Bayern 2). Im Zentrum steht ein Schulkind, das angeblich ständig unglücklich fällt oder sich stößt. Eine hörspielerische Verarbeitung des noch weitgehend theoretischen »Geo-Engineering« legt Werner Cee mit »When weather was wildlife« (SWR 2020; Ursendung Do., 22 Uhr, SWR 2) vor. Das Stück spielt in der Zukunft und blickt auf die gute alte Zeit zurück, als man die Erde noch nicht mit Hilfe technischer Wetterbeeinflussung vor der Klimakrise schützen musste. Dazu passt auch ganz gut Bruno Latours »Kosmokoloss. Eine Tragikomödie über das Klima und den Erdball« (BR/ZKM 2013; Fr., 21 Uhr, Bayern 2).

Ein neues Ruhrpott-noir-Hörspiel hat der WDR im Gepäck. Thomas Anzenhofers »Solo für Kruske« (WDR 2019; Ursendung Fr., 19 Uhr, WDR 3, Wdh. Sa., 17 Uhr, WDR 5) beschäftigt sich mit Grundstücks- und Immobilienspekulation. In einem abgelegenen Teil des Bernie-Sanders-Bundesstaats Vermont hingegen spielt das Hörspiel nach Castle Freemans Roman  »Männer mit Erfahrung« (SWR 2018; Fr., 22 Uhr, SWR 2). Ein spannendes Stück mit kauzigen Figuren, in dem auch schon mal mit der Schrotflinte gegen Sexismus und Ableismus vorgegangen wird.

Ein Selbstmörder, der auf einen fremden Balkon klettert, um von dort aus »bequemer« in den Tod springen zu können, findet sich auf einer kleinen Party wieder. So beginnt Bernhard Studlars »Die Ermüdeten oder das Etwas, das wir sind« (RBB/DLF Kultur 2020; Ursendung Fr., 22 Uhr, RBB Kultur), in dem die Gesprächsfetzen nur so fliegen. Dass Süditalien mehr als nur die Mafia vorzuweisen hat, zeigt Regine Igel mit »Melancholie, Stolz und Aufbegehren – Eine Lange Nacht zur sizilianischen Literatur« (DLF Kultur/DLF 2020; Sa., 0 Uhr, DLF Kultur und 23 Uhr, DLF). Nicht verpassen sollte man auch Sasa Stanisics »Wie der Soldat das Grammofon repariert« (BR 2006; Sa., 15 Uhr, Bayern 2), das Arno-Schmidt-Porträt »Der Rebell aus dem Heidedorf« (RBB/NDR 2009; So., 11 Uhr und 15 Uhr, NDR Info) von Uwe Stolzmann, Frank Naumanns Migrationsdrama »Oberwasser« (RBB 2019; So., 17 Uhr, SR 2 Kulturradio) sowie die radiophonen Klangkunstsendungen »Nix Berauschendes« (HR 2020; Ursendung Sa., 23 Uhr, HR 2 Kultur) von Andreas Wagner und »Knallfunken« (DLF Kultur 2019; So., 23 Uhr, ORF Ö1) von Raviv Ganch­row.

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