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Aus: Ausgabe vom 18.02.2020, Seite 1 / Inland
Rechter Terror

Angriffe auf Moscheen geplant

Rechte Terrorgruppe: Ein Mitglied war Polizeiinformant. Ermittler befürchteten Anschlag
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Einer der Festgenommenen auf dem Weg in den Bundesgerichtshof (Karlsruhe, 15.2.2020)

Das fünfte Mitglied der am Freitag zerschlagenen neonazistischen Terrorzelle hat nach einem Medienbericht Informationen über die Gruppe an die Ermittler weitergegeben. Der Mann habe bereits Anfang Oktober umfangreiche Angaben gegenüber der Polizei gemacht, berichtete der SWR am Montag. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe äußerte sich dazu nicht.

Der Mann war am Freitag als einziger Beteiligter nicht festgenommen worden. Dem Bericht zufolge soll der Kontakt zur Polizei in der vergangenen Woche abgerissen sein. Das federführende Landeskriminalamt Baden-Württemberg habe deshalb einerseits die Sicherheit des Informanten gefährdet gesehen und andererseits spontane Aktionen der Gruppe befürchtet.

Der Generalbundesanwalt war am Freitag mit Razzien gegen die Gruppe, die unter dem Namen »Der harte Kern« firmiert haben soll, vorgegangen (jW berichtete). Die zwölf Mitglieder oder Unterstützer wurden dabei mit Ausnahme des Informanten festgenommen. Sie befinden sich inzwischen in Untersuchungshaft.

Die Gruppe um Werner S. aus dem Raum Augsburg soll sich im September 2019 zusammengeschlossen und Angriffe auf sechs Moscheen in kleineren Städten geplant haben. Die Männer sollen sich in einer Telegram-Chatgruppe kennengelernt und nur zweimal getroffen haben. Einer der Männer soll den Auftrag erhalten haben, Waffen zu beschaffen. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen zählen zu den Waffen, die bei den Razzien am vergangenen Freitag gefunden wurden, Äxte, Schwerter und Schusswaffen. Der Fall wird behördlicherseits als »besonders ernstzunehmend« bewertet.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bezeichnete die Festnahmen am Montag als »Ermittlungserfolg«. Es sei »erschreckend, was hier zutage getreten ist«, sagte er. Nach Angaben des Sprechers sind derzeit rund 50 Neonazis als »Gefährder« eingestuft. Als »Gefährder« gelten Personen, denen die Behörden schwere Straftaten bis hin zu einem Terroranschlag zutrauen. (dpa/AFP/jW)

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