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Aus: Ausgabe vom 12.02.2020, Seite 11 / Feuilleton
Lesung

Stoff für hundert Stunden.

Der Musiker Lüül liest und spielt in Berlin
Von Markus von Schwerin
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Urgestein der Westberliner Krautrockszene: Lüül (Lutz Graf-Ulbrich)

Nachdem das Urgestein der Westberliner Rockszene die Stücke seiner jüngsten Solo-CD »Fremdenzimmer« kürzlich im Varieté-Salon der UFA-Fabrik mit Band präsentierte, kehrt er heute als anekdotenreicher Erzähler auf das Tempelhofer Kulturgelände zurück, um dort im Wolfgang-Neuss-Salon Auszüge aus seiner Autobiographie im Rahmen einer multimedialen Lesung vorzutragen. Ein Verfahren, das er bereits bei der Präsentation seines 2016 im Eigenverlag erschienenen Buches »Nico – Im Schatten der Mondgöttin« in unterschiedlichen Kontexten erprobt hatte. Dabei bebilderte eine Vielzahl privater Dias das wechselhafte Glück des fast fünfzehn Jahre in Verbindung stehenden Paars, über das Lüül im lakonischen Tonfall berichtete, um dann immer wieder zur Westerngitarre Songs wie das anrührende »Dein Fenster« einzuflechten, die seine heutigen Gedanken zu der Frau wiederspiegeln, von der er schreibt: »Ich habe in meinem Leben nie eine stärkere Persönlichkeit kennengelernt.«

So anerkennenswert Lüüls Verdienste um das Nachleben seiner Muse – er organisierte nicht nur Nicos letztes Berlin-Konzert am 6. Juni 1988 im Planetarium, sondern auch zwei Monate später deren Beerdigung auf dem Friedhof Grunewald-Forst – auch sein mögen, so hat der 67jährige ebensoviel Interessantes über die ersten Agitation-Free-Konzerte im legendären Zodiak Free Arts Lab am Halleschen Tor anno 1968, die Zeit als Musiker bei Ash Ra Tempel, seine Erich-Mühsam-Revuen in den 80ern und nicht zuletzt die europäische Erfolgsgeschichte der 17 Hippies zu erzählen.

Bereits 2006 gab es da schon Stoff für eine 400 Seiten fassende Autobiographie, die er 2014 unter dem Titel »Und ich folge meiner Spur« aktualisierte. Und wer noch mehr Lüül-Musik hören möchte, kann sich ja sein nächstes Heimspiel am 22.2. im Berliner Zebrano-Theater am Ostkreuz merken, wo er mit der Geigerin Kerstin Kaernbach als Duo aufspielen wird.

Heute, 20 Uhr, Wolfgang-Neuss-Salon der UFA-Fabrik, Berlin

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