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Aus: Ausgabe vom 17.02.2020, Seite 16 / Sport

Die Wahrheit über den 22. Spieltag

Von Klaus Bittermann
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Die Werkself hatte viel Glück in Berlin: Unioner Marius Bülter (r.) trifft in der 87. Minute zum 2:2. Der Siegtreffer für Leverkusen fiel erst in der 94. Minute

Es kam wieder mal anders als gedacht. Man hätte annehmen können, dass der BVB nach zwei Niederlagen in Folge nicht sonderlich selbstbewusst auftreten würde, zumal er die vorige Partie in Leverkusen fast durchweg dominiert und am Schluss noch hergeschenkt hatte. Die Frankfurter Eintracht dagegen stand nach dem besten Rückrundenstart in ihrer Geschichte ziemlich gut da. Allerdings hat sie in Dortmund seit fast zehn Jahren nichts holen können. Und tatsächlich spielte sie wie immer im Westfalenstadion, nämlich merkwürdig leidenschaftslos und uninspiriert. Womöglich lag das auch am BVB, der diesmal konsequenter in die Zweikämpfe ging, bei Ballverlusten frühzeitig presste und die Gäste zu Abspielfehlern zwang. Oder vielleicht auch daran, dass Manuel Akanji mal auf der Bank gelassen wurde. Der Schweizer hatte sich in letzter Zeit als Unsicherheitsfaktor erwiesen, während der ihn ersetzende Dan-Axel Zagadou neben Raphaël Guerreiro zu den besten Spielern des BVB gehörte.

Nein, diesmal hatte man nicht das Gefühl, dass das Spiel nach der Dortmunder Führung wieder kippen könnte. Achraf Hakimi setzte wieder zu seinen unnachahmlichen Sprints an, Jadon Sancho setzte seine Mitspieler wieder mit grandiosen Vorlagen in Szene und schoss mit traumhafter Sicherheit das 2:0. Vor allem die Kombination zum 3:0 war einfach hinreißend anzusehen – solche Spielzüge sind von keiner Mannschaft der Welt wirklich zu verteidigen. Es waren also alle rundum zufrieden, was vielleicht nicht die beste Ausgangslage ist für das morgige Champions-League-Spiel gegen Paris St. Germain. Die Pariser lagen am Sonnabend beim Tabellenvorletzten Amiens schon 0:3 zurück, gingen dann 4:3 in Führung, kassierten aber kurz vor Schluss das 4:4. Hört sich eigentlich ganz nach Dortmund an, aber es ist nicht anzunehmen, dass Paris den BVB unterschätzen wird, nicht so wie Amiens. Trainer Thomas Tuchel weiß, was in Dortmund auf seine Mannschaft zukommen kann, wenn der BVB einen guten Tag erwischt.

Bayer Leverkusen hat mit einem Sieg bei Union wieder Anschluss zur Vierergruppe an der Spitze gefunden. Die Werkself hatte viel Glück in Berlin, erst in der 94. Minute gelang Karim Bellarabi der Siegtreffer. »Wir haben uns in der Kabine gesagt: ›Das können die nicht 90 Minuten durchziehen‹«, blickte Bayer-Trainer Peter Bosz nach dem Spiel auf die Pause zurück und gab zu, dass Union in diesem Spiel mehr verdient hatte. Anders als vermutet, setzten die Köpenicker den Gegner bis zuletzt unter Druck und schossen den 2:2-Ausgleich in der 87. Minute. Es war also ein dramatisches Finale, in dem keine von beiden Mannschaften aufsteckte. Dass auch dem BVB mal wieder in der Nachspielzeit ein Siegtreffer gelingen könnte, mag man gar nicht mehr für möglich halten.

Der andere Hauptstadttklub steht ziemlich dumm da, nachdem Blender Jürgen Klinsmann einfach hingeschmissen hat, weil man ihm nicht freiwillig alle Kompetenzen zu Füßen gelegt hat. Vom Big-City-Klub-Traum zur Lachnummer ist es manchmal nur ein kurzer Weg, aber immerhin glückte der Hertha am Sonnabend in Paderborn in einem wenig attraktiven Spiel ein eher schmeichelhafter 2:1-Sieg, mit dem sie sich von den Abstiegsplätzen etwas absetzen, sogar mit Union punktemäßig gleichziehen konnte. Leipzig und Gladbach gewannen relativ souverän gegen Bremen und Düsseldorf, die beide weiterhin ganz unten feststecken.

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