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Aus: Ausgabe vom 15.02.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Interesse der Klasse

Zu jW vom 4.2.: »100 Jahre ›Mitbestimmung‹«

(…) Grundsätzlich ist jedes Unternehmen mit Betriebsrat besser als eines ohne; vorausgesetzt natürlich, die Betriebsräte tun ihre Arbeit. Ist manchmal nicht ganz einfach, weil die falschen Leute in den Betriebsrat gewählt werden. Und dies ist nicht politisch-ideologisch gemeint: Ich habe mehrere Betriebsratsgremien im Transportbereich erleben dürfen, in denen saßen die Sekretärin der Geschäftsführung, der leitende Disponent und der örtliche Niederlassungsleiter (…). Wie kommt es zu solchen »Unfällen«? Ganz einfach. Es wird regional gewählt nach dem Motto: »Hauptsache einer von hier«, also aus Frankenthal, Worms, Mannheim etc., nicht aber nach dem richtigen Motto: »Hauptsache einer von uns«, also ein Fahrer, Schlosser usw. (…) Und dazu kommt Paragraph 2.1 des Betriebsverfassungsgesetzes: »Arbeitgeber und Betriebsrat arbeiten ... vertrauensvoll und im Zusammenwirken mit den im Betrieb vertretenen Gewerkschaften und Arbeitgebervereinigungen zum Wohl der Arbeitnehmer und des Betriebs zusammen.« Abgesehen von falschen Begriffen (…) wie »Arbeitgeber« statt »Ausbeuter und Leuteschinder«, »Arbeitnehmer« statt »Arbeiter und Angestellte« – mit dem Bezug auf diesen Paragraphen werden von den Arbeitsgerichten oft wirkungsvolle Beschlüsse gekippt. Also: Gesetze bleiben das in Paragraphen gegossene Interesse der ökonomisch herrschenden Klasse!

Uwe Nebel, Mannheim

Baldur, komm!

Zu jW vom 8./9.2.: »Hauptsache gegen links«

Die Überschrift erinnert mich an das letzte Kabarettprogramm von Wolfgang Neuss aus der Mitte der 1960er Jahre, bevor er hoffnungsvoll nach Chile ging, wo die Unidad Popular unter Salvador Allende die Wahlen gewonnen hatte. 1973 erlebte er den Putsch Augusto Pinochets aus nächster Nähe. Von diesem Trauma erholte er sich nie. Es gelang ihm, in die BRD zu fliehen. In der letzten Szene des Kabarettprogramms »Das letzte Gerücht« trägt er »Das Gebet einer Nonne« vor: »Herr, gib, dass das größere Übel jenseits der Mauer die immerwährende Entschuldigung dafür bleibt, dass das kleinere Übel diesseits der Mauer wachse und gedeihe.« Danach wiederholte eine sanfte Stimme aus dem Off: »Baldur, komm! Baldur, komm!« Haben wir noch immer keinen Baldur, oder sind es zu viele? Am Vormittag vor der Wahl des Herrn Thomas Kemmerich zum Thüringer Oberwürstchen hatte sein (ehemaliger) Landsmann Friedrich Merz (aus NRW) bekanntgegeben, dass er im März bei Blackrock aussteige. »Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt?« Und wenn Mami und Papi der SPD für Neuwahlen sind, dann doch wohl nur, weil sie nicht wieder für eine gemeinsame Koalition mit der Linken und den Grünen antreten wollen. Oder soll man das nicht so sehen? Meint jemand, SPD und Grüne wollen eine Totalniederlage der CDU in Thüringen herbeiführen? Als bürgerlicher Demokrat hat man doch seine Klassenaufgaben. Der Bevölkerung zu erklären, warum Die Linke »das größere Übel jenseits der Mauer« war und ist und in der AfD nicht nur »Faschisten« sind, sondern Vertreter einer Wirtschaftspolitik, die von Anfang an das von den Spitzen der deutschen Wirtschaft entwickelte Programm unterstützen, das ist die Zukunftsaufgabe des Bürgertums.

Reiner Schulz, Potsdam

Nicht Die Linke

Zu jW vom 13.2.: »Prominente Unterstützung«

Meine Erfahrung und mein Wissen sagen mir – ich bin Bauarbeiter –, dass es richtig und konsequent ist, ungültig oder gar nicht zu wählen – auch nicht Die Linke. Warum? Das kapitalistische System ist Verursacher von Armut, Krieg, Ausbeutung, Völkermord usw. Wenn man sich am Regierungssystem des Kapitalismus beteiligt, ist man Teil des Systems. Das bedeutet, man ist mitverantwortlich. (…) Alle vier Jahre die Menschen dazu aufzufordern, wie ein Analphabet ein Kreuz zu machen, und das Demokratie zu nennen, ist Volksverblödung. Dieses kapitalistische System ist gut für Kapitalisten, aber nicht für mich als Arbeiter. Solange, wie ich arbeite, über 40 Jahre, habe ich noch nie erlebt, dass es mir besser geht. Das Gegenteil ist Realität: Lohnkürzung, Rückbau von Sozialleistungen – Schlechtwetterregelung etc. Die Gewerkschaften haben immer zu allem ja gesagt. Die Gewerkschaften waren nie eine Hilfe – deutsche Gewerkschaften sind keine Gewerkschaften, sie sind Unternehmer. (…) Ich bin Arbeiter, ich gehöre nicht zur Mitte. Wie sagte Fabio De Masi (Die Linke): »Wir sind die Partei der Mitte.« Könnt ihr auch gerne bleiben. Da gehört ihr auch hin, als linke Bourgeoisie. Was ich brauche, ist eine antikapitalistische Organisation, in der jeder mitmachen kann, der gegen Kapitalismus ist (…). Die Linke ist es jedenfalls nicht.

Manfred Guerth, Onlinekommentar

Böse Erinnerung

Zu jW vom 8./9.2.: »Der Dammbruch«

Habe ich richtig gelesen? »Es sind nicht die Nazis, die Sorgen bereiten, das viel größere Problem bedeutet eine Linke …, die verlernt hat, kommunistische Ideen ohne Scham auszusprechen.« Sozialfaschismus, ick hör’ dir trapsen. Größere Sorge als eine sozialreformerische Linke, die ich im Gegenteil für bitter notwendig halte und der ich dringend mehr Resonanz wünschte, was die Herrschenden aber mit allen Mitteln (…) zu verhindern trachten, macht mir jedenfalls eine zu Radikalverbalismus neigende, sektiererische Linke, die mit dafür verantwortlich sein dürfte, dass abhängig Arbeitende sich nicht mehr links orientieren, sondern die AfD wählen.

Ursula Möllenberg, per E-Mail

Weiter so!

Zu jW vom 12.2.: »Horst Petras 90«

Genau an dem Tag, an dem der ehemalige stellvertretende Verlagsleiter seinen 90. Geburtstag feierte, beging die jW ihr 73jähriges Jubiläum. Denn am 12. Februar 1947 erschien die erste Ausgabe. Ganz herzlichen Glückwunsch! Und ich bin durchaus stolz, dass ich sieben Jahre (1969–1976) redaktionell aktiv dabeisein durfte. Ja, und ich bin auch glücklich, die Zeitung jetzt noch im Abo lesen zu können. In diesem positiven Sinne: Weiter so!

Herbert Schadewald, Berlin

Der Bevölkerung zu erklären, warum Die Linke das größere Übel ist und in der AfD nicht nur ›Faschisten‹ sind, das ist die Zukunftsaufgabe des Bürgertums.

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