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Aus: Ausgabe vom 14.02.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Konzerne

Thyssen-Krupps Stern verglüht

Industrieriese schreibt erneut Verluste. Entlassungswelle nicht gestoppt
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Mehr als 6.000 Arbeiter müssen bei Thyssen-Krupp gehen – Tendenz steigend. Vorstandschefin Martina Merz sorgt sich mehr um die Höhe der Dividende

Thyssen-Krupp steckt auch unter der neuen Vorstandsvorsitzenden Martina Merz tief in den roten Zahlen fest. Der Stahl- und Industriekonzern hat in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres mit einem Nettoverlust von 372 Millionen Euro bereits ein höheres Minus eingefahren als im gesamten Vorjahr, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Die Verschuldung ist kräftig gestiegen, das Eigenkapital nahezu aufgebraucht.

Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit Sitz in Essen mit einem deutlich schlechteren Ergebnis als 2018/19, als am Ende ein Fehlbetrag von 260 Millionen Euro zusammengekommen war. »Die aktuellen Zahlen können nicht begeistern«, kommentierte Merz die erste Quartalsbilanz seit ihrem Amtsantritt im vergangenen Oktober.

Für die Mitarbeiter gibt es keine Entwarnung: Finanzchef Johannes Dietsch wollte nicht ausschließen, dass der Stellenabbau über die bisherigen Planungen von 6.000 Jobs hinausgehen könne. Er habe aber »jetzt keine neue Zahl« für die Öffentlichkeit. Derzeit werde im Haus jeder Stein umgedreht.

Der Industrieriese braucht für die Schuldentilgung und den Konzernumbau dringend frisches Geld, das aus der profitablen Aufzugssparte kommen soll. Bis Ende Februar will der Vorstand entscheiden, ob der Geschäftszweig verkauft oder an die Börse gebracht wird. Dietsch sagte in einer Telefonkonferenz, derzeit würde »sehr stark« die Verkaufsoption geprüft. Finanzinvestoren und Konkurrenzunternehmen haben bereits Übernahmeangebote eingereicht. Für einen Verkauf an einen Konkurrenten wie den finnischen Kone-Konzern, der annähernd 17 Milliarden Euro geboten haben will, sieht Dietsch aber Probleme. Der Verkauf an einen solchen strategischen Investor werde dazu führen, »dass wir die Gelder erst nach einer umfangreichen Kartellprüfung erhalten werden«, sagte er. Das müsse im »Kriterienkatalog« für die Entscheidung berücksichtigt werden. Auch die IG Metall hatte vor einer Hängepartie bei einem Verkauf an Kone gewarnt. Betroffen von der Transaktion wäre fast jeder dritte der weltweit rund 160.000 Mitarbeiter.

Besonders schlecht ist es um die Stahlsparte bestellt, die künftig wieder mehr zum Kerngeschäft des Traditionskonzerns werden soll. Sie lieferte einen Verlust von 164 Millionen Euro, im Vorjahresquartal hatte noch ein kleiner Gewinn von 38 Millionen Euro zu Buche gestanden. Ende des Monats nimmt der bisherige Vorstandssprecher von Thyssen-Krupp Steel Europe, Premal Desai, seinen Hut – es habe »unterschiedliche Vorstellungen über die Ausrichtung des Stahlgeschäfts« gegeben, erklärte der Konzern. Hinzu kommen konjunkturelle Probleme. »Bei allen großen Stahlabnehmern schwächelt die Nachfrage«, sagte Roland Döhrn vom Essener RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung am Donnerstag gegenüber dpa. Die Baukonjunktur helfe Thyssen-Krupp nicht, da dort vor allem billigerer Importstahl zum Einsatz komme. Im Juni vergangenen Jahres hatte die EU-Kommission eine Fusion mit der indischen Tata-Steel-Gruppe untersagt. (dpa/jW)

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