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Aus: Ausgabe vom 13.02.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Ohne Einsicht

Zu jW vom 6.2.: »Bürgerbündnis«

Die Erfurter Schlammschlacht ist in der Tat eine Offenbarung. Man kommt zur Sache. Politiker, zum Teil aus dem Westen angesiedelt, brechen nicht nur parlamentarische Vereinbarungen. Im Gegenteil. Machtborniertheit, Heuchelei lassen jegliche Einsicht vermissen. Probe für die großen Wahlen 2021 … Für wie dumm hält man uns eigentlich? Bei Kurt Tucholsky findet sich schon in den dreißiger Jahren der Satz: »Eine Regierung ist nicht der Ausdruck des Volkswillens, sondern der Ausdruck dessen, was ein Volk erträgt.«

Atti Griebel, Berlin

Kopfhaar ab

Zu jW vom 6.2.: »Tabubruch in Erfurt«

Ja, die NSDAP kam zuerst in Thüringen nach oben in Gestalt von Wilhelm Frick, der 16 Jahre später am Galgen hing. Die FDP-Vorläuferpartei DVP war im Januar 1930 der Steigbügelhalter. Der »Dreh mit der AfD« musste in Dresden zunächst abgesagt werden. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. CDU-Chef Mike Mohring braucht sich nun nur noch im Friseurgeschäft seines FDP-Kollegen Thomas Kemmerich das Kopfhaar scheren zu lassen …

Henning Gans, Leipzig

Volksfront nötig

Zu jW vom 7.2.: »Noch zwei solche Siege, und wir sind tot«

Ich bin entsetzt über die geäußerten Auffassungen eines Mitglieds des Bundesparteivorstandes meiner Partei Die Linke zu den Genossen in Thüringen. Es ist ein prägnantes Beispiel für selbstzerstörerische Aktivitäten, ideologische Überheblichkeiten auf der Basis mangelnder theoretischer Einsichten und Ignoranz der aktuellen politischen Situation. Welchen Sinn macht es, Mitglieder der Linken zu diffamieren, die unter schwierigen Bedingungen und mit aufopferungsvoller Arbeit durch konstruktive Aktionen das Ansehen der Linken in einem Bundesland und darüber hinaus erhöhen? Während der Bundesvorstand eingestandenermaßen noch nicht einmal in der Lage war, die verheerenden Europawahlergebnisse vom Mai 2019 zu analysieren, wird den einzigen Linken in Deutschland, die ihre Wahlergebnisse bedeutend verbessern konnten, nur Kritik und Häme entgegengebracht. Auf diese Weise können wir uns in grandioser Weise weiter zerlegen.

Wie überheblich muss man sein, den Thüringer Genossen pauschal zu unterstellen, dass sie kein linker Landesverband mehr seien, nur weil in ihren Reihen nicht auch ausreichend Vertreterinnen der Auffassungen von Johanna Scheringer-Wright vorhanden sind.

Das theoretische Problem ist die Rolle linker Regierungsbeteiligung in einem kapitalistischen System, dessen Überwindung natürlich die ureigenste Aufgabe der Linken ist. Das geht aber zum Beispiel nicht nur mit einer Handvoll von Leuten am linken Rand, sondern dafür ist darüber hinaus eine Vielzahl von Menschen aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft erforderlich. Die Linke schafft sich also nicht ab, wenn Bürger dieser Schicht sie wählen, sondern erhöht im Gegenteil ihren Einflussbereich. (…)

Der Verlauf der Ereignisse zeigt deutlich, dass es gegenwärtig in erster Linie um das Aufhalten der Rechtsentwicklung in Deutschland geht. Dazu ist ein Zusammenhalten aller demokratischen Kräfte erforderlich, auch über die Parteigrenzen hinweg. Die Notwendigkeit einer solchen »Volksfront« haben sogar Vertreter bürgerlicher Parteien wie etwa Frau Merkel erkannt.

Hans-Dieter Sill, per E-Mail

Letztes Warnsignal

Zu jW vom 8./9.2.: »Hauptsache gegen links«

Man muss den Ereignissen in Thüringen auch etwas Positives abringen: Die sogenannte bürgerliche Mitte hat sich geoutet. Um des puren Machterhaltes willen und um selbst die weichgespülten Linken zu verhindern, paktiert sie mit den Tiefbraunen um den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke. Das sollte allen Demokraten ein letztes Warnsignal sein. Um des Machterhalts willen setzen sie die Demokratie wissentlich aufs Spiel. Stehen wir zusammen gegen die blaugetünchten Faschisten und ihre Steigbügelhalter!
Hans-Jürgen Radde, Berlin

Durchsichtiges Manöver

Zu jW vom 8./9.2.: »Hauptsache gegen links«

Also mal ehrlich, liebe Damen und Herren von CDU und FDP aus dem Thüringer Parlament. Von Ihnen heißt es, man habe das nicht voraussehen können, man sei überrascht gewesen, oder man hört ähnlichen Schwachsinn, der nur davor schützen soll, womöglich in Verdacht zu geraten, den Wählerwillen vorsätzlich hintertrieben zu haben. Dabei hätten mehrere Optionen bestanden, der eigenen unsozialen Wählerklientel zu verdeutlichen, dass man mit der Partei Die Linke nicht kooperieren will. Sicher bin ich nur einer unter vielen, denen ab dem Zeitpunkt, als die AfD einen eigenen Kandidaten zum Ministerpräsidenten – noch dazu einen »parteilosen«, der Werteunion nahen Bürgermeister aus einem 350-Seelen-Kaff – nominierte, klar war, was die Höcke-Brüder und -Schwestern vorhatten. (…)

Hans Reinhardt, Glashütten

Fliegen ist schöner

Zu jW vom 10.2.: »Prestige und Geschäft«

Auf ein und derselben Seite der jW vom 10. Februar 2020 werden uns gleich zwei neue Großflughäfen präsentiert: Einer auf Kreta ist schon im Bau, der andere soll der neue »Zentralflughafen« bei Warschau werden. Klimawandel, Erderwärmung, CO2-Anstieg – kein Thema? Wenn es ums Fliegen geht und den internationalen Luxustourismus, scheren sich die maßgebenden Politiker und verantwortlichen Konzernlenker einen Dreck um das Klima oder um die vielbeschworene Nachhaltigkeit. 40 Millionen Flüge gibt es jedes Jahr auf unserem Planeten, war letztes Jahr in einem Fachartikel in der jW zu lesen, das sind gut 100.000 Flüge pro Tag! »Wie könnt ihr es wagen«, um mit Greta Thunberg zu sprechen, so weiterzumachen, als sei mit unserem Klima alles im Lot (oder alles bei der Lot)? Keine kleine kritische Anmerkung seitens der jW zu den Flughafen-Berichten? Schade.

Emmo Frey, Dachau

Die sogenannte bürgerliche Mitte hat sich geoutet: Um des puren Machterhaltes willen und um die weichgespülten Linken zu verhindern, paktiert sie mit den Tiefbraunen um Björn Höcke.

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