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Aus: Ausgabe vom 12.02.2020, Seite 16 / Sport
Fußball

Ab in den Mixer

Fußballbundesliga: Stürmer Sebastian Andersson ist einer der Erfolgsgaranten von Aufsteiger Union Berlin
Von Rouven Ahl
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Ob in der Luft oder am Boden: Don’t mess with Sebastian Andersson (r.)

Das Schwarzweißdenken ist den Fußballjournalisten einfach nicht auszutreiben: Mal wurde der Tod des Ballbesitzfußballs beschworen, nur weil die dafür berühmte spanische Nationalmannschaft zwei schlechte Turniere in Folge gespielt hatte. Dann hieß es, der klassische Mittelstürmer sei tot – also nicht Luca Toni, sondern die Position, versteht sich. Heute scheint er urplötzlich wieder aufzutauchen, der klassische Brecher im Angriff. Dass auch schon vorher nicht jedes Team im Weltfußball auf die »falsche Neun« o. ä. gesetzt hat, wird gerne vergessen.

Sebastian Andersson vom 1. FC Union Berlin erfüllt die Stellenbeschreibung dieses speziellen Spielertypus wie kaum ein anderer in der Bundesliga. Der Schwede ist der Fixpunkt im Angriff der Köpenicker, die sich als Aufsteiger überraschend gut in der deutschen Beletage zurecht finden und nach dem jüngsten 2:0-Erfolg am Samstag bei Werder Bremen mit 26 Punkten auf dem elften Rang stehen.

Eines der wichtigsten Mittel der Unioner ist der lange Ball in die gegnerische Hälfte. Gepflegtes Aufbauspiel überlassen sie lieber anderen. Kein Wunder, haben die Berliner doch mit Andersson den Spieler in den eigenen Reihen, der die mit Abstand meisten Kopfballduelle der Liga für sich entscheidet. In der Luft ist der 190-Zentimeter-Mann kaum zu bezwingen: Die Hälfte seiner acht Saisontore hat er mit dem Kopf erzielt.

Bei Union lautet das Motto daher: »Put it in the Mixer« (ab in den Mixer). So wird auf den britischen Inseln das Spiel mit den langen Bällen umschrieben. Doch Andersson ist nicht nur in der Luft herausragend, sondern rackert und kämpft auch am Boden für seine Kollegen. Der 28jährige ist der Inbegriff des Mannschaftsspielers. Er gewinnt bundesligaweit nicht nur die meisten Zweikämpfe, sondern legt für einen Stürmer regelmäßig eine enorme Laufdistanz zurück. Das gilt übrigens für das gesamte Team: Union stellt gleich drei Spieler unter den 25 Akteuren mit der höchsten Laufleistung in der Bundesliga.

»Die Eisernen« machen bislang ihrem Namen alle Ehre, sie scheinen durch unbändigen Einsatz und schieren Willen beweisen zu wollen, zu Recht in der Bundesliga zu spielen. Die Mannschaft von Trainer Urs Fischer weiß genau, was sie kann – und was eben nicht. Die Kombination aus diszipliniertem, körperbetontem Spiel und langen Bällen in das letzte Spielfelddrittel hielt bereits vor vier Jahren den noch deutlich limitierteren Underdog Darmstadt 98 in der Liga – und bereitet den meisten Bundesligisten noch heute enorme Probleme.

Ohne Andersson »müsste man eine andere Spielweise wählen«, wie der Geschäftsführer Profifußball, Oliver Ruhnert, gegenüber dem Kicker formulierte. Die Tore des Schweden sind dabei nicht einmal das wichtigste – zuletzt traf er am 8. Dezember gegen Köln –, sondern seine Ablagen und Pässe. Fischers Plan A funktioniert ohne die Abspielstation in der Spitze nicht. Wichtiger kann ein Spieler für sein Team kaum sein. Entsprechend beliebt ist er bei den Fans. Die Zuneigung beruht dabei auf Gegenseitigkeit. »Ich fühle mich fantastisch wohl im Verein«, sagte der schwedische Nationalspieler (neun Einsätze, drei Tore) Ende des letzten Jahres gegenüber der Tageszeitung Helsingborgs Dagblad. Nicht nur leere Worte. Andersson, der im Sommer 2018 vom 1. FC Kaiserslautern in die Hauptstadt gewechselt war, verlängerte unlängst seinen Vertrag bei Union. Über die neue Laufzeit machte der Klub keine Angaben.

Bekannt ist zumindest, dass der Kontrakt sowohl für die erste als auch für die zweite Liga gilt. In Sachen Vereinstreue hält er es offensichtlich wie bei seiner Spielweise auf dem Platz: kompromisslos.

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