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Aus: Ausgabe vom 11.02.2020, Seite 3 / Schwerpunkt
Abzug kubanischer Ärzte

Auf Kosten der Bevölkerung

Unter Abbruch der medizinischen Kooperation mit Kuba leiden in Brasilien und Ecuador besonders die Ärmsten
Von Volker Hermsdorf
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Eine kubanische Ärztin untersucht einen Patienten im brasilianischen Itiuba (20. November 2013)

Die rechten Regierungen in Brasilien und Ecuador waren bereits vor den Putschisten in Bolivien den Vorgaben der USA gefolgt und hatten den Abbruch der medizinischen Kooperationen mit Kuba provoziert. Nachdem Ecuador das bestehende Abkommen Anfang November 2019 überraschend aufgekündigt hatte, kehrten knapp 400 Mediziner nach Kuba zurück. Die Regierung in Quito kündigte zwar an, das abgezogene Personal durch eigene Ärzte zu ersetzen, doch in den abgelegenen und meist armen Orten, in denen kubanische Fachärzte praktizierten, sind viele Kliniken verwaist.

Der Mangel an Fachärzten sei »besorgniserregend«, schrieb die rechtskonservative Tageszeitung El Comercio am 26. November 2019. Demnach fehlen in den öffentlichen Gesundheitszentren vor allem Rheumatologen, Allergologen, Neurologen, Kardiologen und Herzchirurgen. Nachdem die Regierung des linken Präsidenten Rafael Correa 2009 die Zusammenarbeit mit Kuba intensiviert hatte, habe der Mangel zumindest etwas ausgeglichen werden können, räumte das Blatt ein. 2013 hatte Correa das jetzt unter seinem Nachfolger Lenín Moreno gekündigte Kooperationsabkommen vereinbart. Bis zum Abbruch hatten kubanische Mediziner in Ecuador 212.360 Operationen, 3.565 Entbindungen und mehr als 10.000 Impfungen durchgeführt, berichtete die kubanische Tageszeitung Juventud Rebelde am 19. November 2019.

In Brasilien, das unter dem neuen Machthaber Jair Bolsonaro als erstes Land den Abbruch des im Jahr 2013 vereinbarten Programms »Mais Médicos« veranlasst hatte, ist die Situation mittlerweile katastrophal. Mehr als 8.300 kubanische Mediziner hatten das Land im Dezember 2018 verlassen müssen. Kurz darauf gab die regierungsfreundliche Tageszeitung O Globo zu, dass in 19 der 26 Bundesstaaten und mehr als 285 Städten ein akuter Ärztemangel eingetreten war. Laut New York Times vom 11. Juni 2019 ist »die Gesundheitsversorgung von 28 Millionen Menschen gefährdet«. Mitte vergangenen Jahres seien mehr als 3.800 Ärztestellen nicht besetzt und 3.000 Gemeinden betroffen gewesen. 37.000 Kleinkinder unter fünf Jahren schwebten dadurch in Lebensgefahr, schlug Dr. Gabriel Vivas von der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation Alarm.

Bolsonaro hatte Kuba vorgeworfen, seine Ärzte zu »versklaven«, weil Havanna nur 30 Prozent (rund 900 Dollar) des von Brasilien entrichteten Gehalts an diese ausbezahlt hatte. Der Rest floss in das kubanische Gesundheitssystem, das für die Bevölkerung kostenlos ist und wurde zur Finanzierung medizinischer Hilfseinsätze in Ländern des globalen Südens verwendet. Unter der Kampagne leiden so neben der kubanischen Bevölkerung auch die bedürftigsten Menschen in vielen Teilen der Welt.

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