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Aus: Ausgabe vom 10.02.2020, Seite 15 / Politisches Buch
Forschungen zur Arbeiterbewegung

Lohnarbeit im Kapitalismus

Neues Heft der Zeitschrift Arbeit – Bewegung – Geschichte erschienen
Von Holger Czitrich-Stahl
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Tausende Menschen demonstrieren während des Internationalen Aktionstages im thüringischen Bischofferode für den Erhalt der Kaligrube (1.8.1993)

Das neue Heft der wissenschaftlichen Zeitschrift Arbeit – Bewegung – Geschichte beschäftigt sich im Hauptteil mit Fragen der Geschichte der Lohnarbeit im Kapitalismus. Lutz Raphael (Trier) erschließt in seinem Aufsatz alte und neue Zugänge zu einer Sozialgeschichte der Arbeit. Ein Fallbeispiel aus der Periode des Kampfes der Belegschaften der ehemaligen Volkseigenen Betriebe gegen ihre Abwicklung durch die Treuhand analysiert Till Goßmann (Weimar) am Beispiel der Aktivitäten zum Erhalt der Ilmenauer Glaswerke 1993/94, die verhältnismäßig kooperativ und weniger kämpferisch organisiert waren als die Bewegung zur Rettung von Bischofferode, die der Autor zum Vergleich heranzieht. Die Ursache dafür sieht er sowohl in den Bedrohungen einer Umbruchsituation als auch in der mangelnden Kampf­erfahrung der Belegschaft. In der DDR besaßen Gewerkschaften bekanntlich eine andere Funktion der Interessenvertretung.

Dass die westdeutschen Gewerkschaften Vorbehalte gegen neue soziale Bewegungen hegten und sich schwertaten, deutliche Positionen etwa im Kampf für die sexuelle Selbstbestimmung der Frauen und für ein liberales Abtreibungsrecht zu beziehen, rekonstruiert Mandy Stalder-Thon in ihrem Beitrag »Der DGB, die neue Frauenbewegung und der Kampf gegen das Abtreibungsverbot«, in dem sie den spektakulären Prozess gegen den Gynäkologen Horst Theissen und die Solidaritätsaktionen in Memmingen mit den betroffenen Frauen berücksichtigt. Von aktueller Relevanz zum Umgang mit der Nazivergangenheit ist der Beitrag von Christian Dietrich (Frankfurt/Oder) über den Schriftsteller, Juden und Sozialisten Peter Edel. Die Repressalien gegen deutsche Komintern-Mitarbeiter während der 1930er Jahre in der UdSSR thematisiert Jacques Mayer (Berlin).

Höhepunkt des Heftes ist zweifellos das Interview mit dem Marxisten und kritischen Kommunisten Theodor Bergmann (1916–2017), das Loren Balhorn (Berlin) führte. Am Beispiel der Person und der Biographie Bergmanns beleuchtet das Gespräch Kämpfe, Leben und Lebensumstände eines ganzen Jahrhunderts und erinnert an weitere bedeutende Personen des Linkssozialismus und Kommunismus wie Heinrich Brandler, August Thalheimer, Tony Sender, Max Seydewitz und Kurt Rosenfeld, Willi Bleicher und Paul Levi.

Arbeit – Bewegung – Geschichte. Zeitschrift für historische Studien. Heft 1/2020, Metropol, Berlin 2020, 228 Seiten, 14 Euro

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