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Aus: Ausgabe vom 01.02.2020, Seite 5 / Inland
Arbeitskampf in der Flugbranche

Sozialpartner vereint

Flugbegleiterorganisation UFO und Lufthansa einigen sich auf mehrstufiges Schlichtungsverfahren
Von Bernd Müller
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Arbeitsniederlegungen sind vorerst nicht mehr vorgesehen (Frankfurt am Main, 8.11.2019)

In die festgefahrenen Tarifauseinandersetzungen zwischen Lufthansa und der Unabhängigen Flugbegleiterorganisation (UFO) ist Bewegung gekommen. Vorerst solle nicht erneut gestreikt werden. Statt dessen haben sich die beiden Parteien nach übereinstimmenden Informationen auf eine Schlichtung geeinigt. Demnach gilt »ab sofort und mindestens bis zum endgültigen Abschluss der Schlichtung« eine Friedenspflicht.

Beide Seiten streiten schon seit Monaten über Tarifverträge nicht nur bei der Kernmarke, sondern auch bei anderen Airlines der Lufthansa. Die Flugbegleiter hatten dreimal gestreikt, zuletzt bei der Tochter Germanwings. Nach dem Scheitern mehrerer Schlichtungsversuche hatte Lufthansa UFO Mitte Januar eine neue »Lösungsinitiative« vorgeschlagen.

Wie die Parteien nun erklärten, beschlossen sie nach »intensiven Gesprächsrunden« nicht nur die Schlichtung selbst, sondern einen »mehrgliedrigen Prozess« zur Lösung des Konfliktes. Dieser Prozess soll in den kommenden Tagen beginnen und sieht die Trennung von tariflichen und nichttariflichen Themen in drei Verfahren vor: Mediation, Schlichtung und außergerichtliches Güteverfahren.

In der Mediation sollen Fragen des Miteinanders und des künftigen Umgangs besprochen und Lösungen gefunden werden. Auch was in der Vergangenheit vorgefallen ist, soll demnach geklärt werden. Auf diese Weise soll eine »gemeinsame Vertrauensbasis in der Sozialpartnerschaft wiederhergestellt« werden. Es werde ein langer und schwieriger Weg, die »Sozialpartnerschaft wieder zur Normalität zu entwickeln«, erklärte die Gewerkschaft. »Doch wir wollen das mit aller Kraft.«

Parallel dazu steigen die Parteien in eine »große« Schlichtung unter der Leitung des ehemaligen Chefs der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, und von Brandenburgs Exministerpräsidenten Matthias Platzeck ein. Diese umfasse unter anderem die von der Gewerkschaft aufgestellten Tarifforderungen und weitere Tarifthemen. In einem davon getrennt geführten außergerichtlichen Güteverfahren werden darüber hinaus die juristischen Themen beider Parteien und einzelner Funktionäre von einem Arbeitsrichter möglichst abschließenden Lösungen zugeführt.

Einzelne, für die Kabinenbeschäftigten wichtige Punkte seien bereits vorab beschlossen worden, darunter eine Sonderzahlung in Höhe von 1.500 Euro und ein »Extrageld« für Saisonkräfte. Daniel Flohr, stellvertretender Vorsitzender und Verhandlungsführer der Gewerkschaft UFO, erklärte am Freitag: »Wir sind froh, dass wir nun einen Rahmen haben, um die bisherige Auseinandersetzung mit Hilfe Dritter zu klären und zu lernen, was wir in der Zukunft anders machen müssen, damit so ein Konflikt nicht mehr derart eskaliert.«

Vor zwei Wochen hatten die Zeichen noch auf Streik gestanden. Der dritte Versuch, in die Schlichtung mit zusätzlicher Mediation zu tariffremden Fragen einzusteigen, war gescheitert (jW berichtete). Lufthansa hatte eine für das gesamte Verfahren geltende Friedenspflicht verlangt, was UFO nicht akzeptierte. Aufgrund des Angebots von Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann konnte die Streikankündigung dann aber auf unbestimmte Zeit verschoben werden, erklärte die Gewerkschaft.

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