Gegründet 1947 Dienstag, 25. Februar 2020, Nr. 47
Die junge Welt wird von 2229 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 27.01.2020, Seite 16 / Sport

Die Wahrheit über den 19. Spieltag

Von Klaus Bittermann
Germany_Soccer_Bunde_64109373.jpg
Guter Anfang: Raphaël Guerreiro

Immerhin mit vier Siegen in Folge kam der Kölner FC nach Dortmund, also mit genügend Selbstbewusstsein, um nicht vor den Borussen automatisch in Ehrfurcht zu erstarren. Deren Hintermannschaft hatte vor einer Woche gegen Augsburg wieder einmal demonstriert, wie sehr sie sich von einem engagierten, frühes Pressing spielenden Team verunsichern lässt. Daran änderte auch das 1:0 für Dortmund nach nur 50 Sekunden nichts. Jadon Sancho hatte vorbereitet, Raphaël Guerreiro vollendet. Köln ließ sich dadurch nicht beeindrucken. Warum auch? Hatte die Dortmunder Mannschaft doch schon häufig gezeigt, dass eine Führung für sie Gift ist: Sie schaltet automatisch einen Gang zurück und lässt den Gegner kommen, in der Hoffnung, dass sich vorne Räume öffnen, die sie dann in der Regel aber nicht zu nutzen weiß, weil sie hinten zu sehr auf Ballsicherung bedacht ist.

Diesmal aber schien der BVB aus den vergangenen Spielen gelernt zu haben, auch wenn die Abwehr nicht immer den stabilsten Eindruck machte, einmal ein Kölner ganz frei vor dem Strafraum angespielt werden konnte und Mats Hummels als letzter Mann ausrutschte. Aber die Dortmunder machten ihrerseits Druck. Hummels köpfte mit Gewalt an die Latte, und Marco Reus vergab mal wieder eine Großchance, bevor er dann nach einem langen präzisen Pass von Hummels den Kölner Torwart Timo Horn zum 2:0 tunnelte.

Doch dann kam die gefürchtete zweite Halbzeit, und die Erfahrung lehrt einen, dass bisweilen selbst eine 3:0- oder 4:0-Führung nicht unbedingt reicht. Aber es gab keinen unerklärlichen Einbruch, vielleicht auch deshalb, weil die Kölner nach einem weiteren Tor durch Sancho in der 48. Minute nicht mehr richtig an eine Wende glaubten. Auch nicht nach dem Anschlusstreffer, denn dann kam Erling Haaland ins Spiel. Er war kaum auf dem Platz, als er auch schon Timo Horn prüfte. Es dauerte dann doch etwas länger als im letzten Spiel, bis Haaland traf, und auch »nur« zweimal statt wie zuletzt dreimal. Was BVB-Goalie Roman Bürki mit trockenem Humor kommentierte: »Schade, dass er schon nachlässt«. Man versucht zwar, den Hype um Haaland etwas zu bremsen, aber dass er mit seiner Präsenz und Körpersprache etwas bewirkt, ist unübersehbar. Er muss noch behutsam aufgebaut werden. In Salzburg war er häufig verletzt, was man als Indiz dafür werten kann, dass er noch nicht für die extreme Belastung der Bundesliga fit ist. Aber es würde auch reichen, wenn er immer in den letzten 20 Minuten ein paar Tore macht.

Die Bayern sind derweil wieder die alten und servierten einen völlig überforderten FC Schalke mit 5:0 ab. Sie sitzen jetzt den Leipzigern im Nacken, die in Frankfurt trotz Überlegenheit mit 0:2 verloren, weil sie es in der ersten Halbzeit versäumten, Tore zu machen. Und Gladbach musste sich zum Sieg über Mainz quälen, was alles auf ein Durchmarschieren der Bayern hindeutet. Wenn sich dann am nächsten Spieltag Leipzig und Gladbach gegenseitig die Punkte abnehmen, dürfte die alte Hackordnung wiederhergestellt sein, dann könnte es wieder so langweilig werden wie eh und je.

Mehr aus: Sport