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Aus: Ausgabe vom 27.01.2020, Seite 5 / Inland
Konzerne

Bußgeld fürs Bespitzeln

Modekette H & M spähte Mitarbeiter aus. Dafür könnten bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes fällig werden
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Das Privatleben von Mitarbeitern der Modekette H & M wurde jahrelang durchleuchtet

Wegen des Verdachts, Mitarbeiter ausgespäht und auch private Daten über Krankheiten und familiäre Hintergründe gespeichert zu haben, droht dem schwedischen Modekonzern H & M ein hohes Bußgeld. Er habe ein entsprechendes Verfahren eingeleitet, sagte der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz, Johannes Caspar, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Sonnabend). »In der Tat hat es in dem Unternehmen am Standort in Nürnberg eine massive Ausspähung der Beschäftigten gegeben«, erklärte Caspar gegenüber dpa. »Das hat die Auswertung der uns vorliegenden Protokolle von erheblichem Umfang ergeben.« Es handele sich dabei auch um Gesundheitsdaten der Betroffenen, »von der Blasenschwäche bis zur Krebserkrankung, sowie um Daten von Personen aus deren sozialen Umfeld wie etwa familiäre Streitigkeiten, Todesfälle oder Urlaubserlebnisse«. H & M drohe laut Datenschutzgrundverordnung im schlimmsten Fall ein Bußgeld in Höhe von vier Prozent des globalen Jahresumsatzes. Eine Sprecherin teilte dpa schriftlich mit: »Wir nehmen den Vorfall nach wie vor sehr ernst und bedauern aufrichtig, dass Kolleg*innen betroffen sind.«

Schon im Dezember hatte Verdi H & M vorgeworfen, dass Vorgesetzte Mitarbeiter eines Nürnberger Callcenters in unzulässiger Weise ausgespäht hätten. Die Mitarbeiter, die für die Abwicklung von Bestellungen zuständig seien, seien von Vorgesetzten zu Gesprächen gebeten worden, die teilweise einen halb privaten Charakter gehabt hätten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse seien ohne das Wissen der Mitarbeiter gespeichert worden. Nach Gewerkschaftsangaben sei die Sache aufgeflogen, nachdem einer der Vorgesetzten die Mitschriften auf einem öffentlich zugänglichen Laufwerksordner abgelegt hätte. Der Fall liegt in der Zuständigkeit des Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz, weil das Unternehmen seine Deutschlandzentrale in der Hansestadt hat. (dpa/jW)

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