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Aus: Ausgabe vom 25.01.2020, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Pochierte Eier mit Spinat

Von Maxi Wunder

Juchhu! Hervé, mein früherer Butler, hat sich gemeldet! Übrigens wurde ich von einigen Genossen stark kritisiert. Wie ich darauf gekommen sei, mir einen Butler zu »halten«. Ob ich unter die »Neofeudalisten« gegangen sei, so was Dekadentes! Also, erstens: Ich habe mir keinen Butler »gehalten« wie einen Sklaven, sondern einen mit allen Arbeitnehmerrechten ausgestatteten jungen Mann korrekt nach britischem Tarif von meinen sauer verdienten Ersparnissen entlohnt. Auch hat er für mich keineswegs morgens im Cut die junge Welt gebügelt und mir dann auf einem Silbertablett den Tee serviert und servil gefragt: »Same procedure as every morning, Miss Wonder?« Das sind alles Phantasien von Leuten, die zuviel TV gucken. Meine Gründe für sein Engagement waren rein lebenspraktisch: Ich musste die zeitfressenden Themen Haushalt, Papierkram und Heimwerkerei ein Jahr lang delegieren, um mich auf Wichtiges zu konzentrieren, brauchte also ein Allroundtalent, und da war Hervé eben ideal. Nebenbei bemerkt: Es gibt eine Menge Frauen, die »halten« sich Männer für ungeliebte Arbeiten und umgekehrt, das schimpft sich bürgerliche »Ehe«, und das finde ich dekadent.

Habe ich brühwarm Hervé am Telefon erzählt, aber er unterbrach mich. Die Ehe sei, das lese er gerade in der »Metaphysik der Sitten« von Immanuel Kant, vielmehr »die Verbindung zweier Personen verschiedenen Geschlechts zum lebenswierigen wechselseitigen Besitz ihrer Geschlechtseigenschaften«. Da konnte ich ausnahmsweise mithalten: »Ich weiß, Hervé, der Kant war so ein trockener Juraknochen, für den gehörte die Ehe ins ›Sachenrecht‹. Aber was anderes: Sie hatten mir mal ein Spinatgericht gekocht, wie ging das noch mal?« – »Sie meinen die pochierten Eier mit Spinat für vier Personen?« – »Ja, genau!«

»Also, Sie nehmen 350 g tiefgekühlten Blattspinat, den Sie vorher leicht antauen. Mit etwas Salz bei mittlerer Hitze etwa acht Minuten köcheln lassen. 200 g Naturjoghurt mit 150 g saurer Sahne, einer Prise Chilipulver und einem EL Paprikapaste verrühren. Acht einzeln in einer Tasse aufgeschlagene Eier nacheinander in siedendes Essigwasser (drei EL auf 500 ml Wasser) gleiten lassen. Zwischen zwei Esslöffeln die Eier etwas in Form bringen und zwei bis drei Minuten garen, bis das Eiweiß nicht mehr durchsichtig ist. Vorsichtig herausnehmen. Den Spinat in zwei EL Kräuterbutter schwenken, mit Pfeffer und frisch geriebener Muskatnuss würzen. Portionsweise den Spinat auf vier Teller verteilen, jeweils zwei pochierte Eier daraufsetzen und etwas Joghurtsauce darübergeben. Und rechtzeitig die Kartoffeln aufsetzen!«

Hat mich gar nicht interessiert, ich wollte nur Zeit gewinnen, um schnell im Internet die »Metaphysik« zu finden: »Ja, danke! Also, in Paragraph 25 des dritten Abschnitts des zweiten Hauptstücks der ›Metaphysik‹ steht nämlich: ›Denn der natürliche Gebrauch, den ein Geschlecht von den Geschlechtsorganen des anderen macht, ist ein Genuss, zu dem sich ein Teil dem anderen hingibt. In diesem Akt macht sich ein Mensch selbst zur Sache ...‹« Ich merkte, wie ich rot wurde, und stockte. Im Grunde sexy, dieser Hervé. Äh, ich meine, dieser Kant!

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