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Aus: Ausgabe vom 25.01.2020, Seite 10 / Feuilleton

Der Tag der lebenden Toten

Von Hagen Bonn

Man sagt, der Kommunismus ist tot

Und verweist auf den Friedhof

Wo er umständlich begraben liegt

Bei den Huren und Selbstmördern

*

Aber die Menschen schauen mit Inbrunst

Fernsehserien wie »The Walking Dead«

Wo Untote die Welt drangsalieren

Und die Gutmenschen ihre Waffen bedienen

*

Wie Nachttischlampen

Und der Schatten fällt schräg

In unsere Welt und macht deutlich

Dass nicht jeder tot ist

*

Nur weil er auf dem Friedhof liegt.

Deshalb: Wiederauferstehung für alle!

Untote aller Länder vereinigt euch!

Denn wo drei in meinem Namen sich treffen

*

Da ist die Gemeinde, die Kommune

Der Kommunismus!

Ist tot

Ich aber sage euch:

*

Ja freilich ist der tot. Heult doch!

Aber mein Opa zitierte mal mit einem Augenzwinkern den HERRN:

»Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist,

So kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.«*

*

Eben, Mensch.

Wir gehn in Serie. Die nächste Staffel kommt!

*nach 1. Korinther 15:21; Gemeint ist einmal Adam, der das Paradies (und damit die Unsterblichkeit) mit seiner Partnerin Eva verlassen hat, um Mensch werden zu können, anstatt wie tumbes Vieh in Glückseligkeit verharren zu müssen. Der andere ist Jesus, ein voll entfalteter Mensch, der wie ein Gott ist und dem der Tod nichts anhaben kann; nur die Gemeinschaft (Kommune) der Menschen verwirklicht demnach alle Ziele der Menschheit; kurz: Der Mensch ist Macher der Geschichte. Der historischen wie auch der in den TV-Serien.

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