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Aus: Ausgabe vom 15.01.2020, Seite 8 / Ansichten

Falscher Freund des Tages: Laurence Fink

Von Jan Greve
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Auch Laurence Fink sorgt sich um die Zukunft – um die seiner Geschäfte

Wollten Sie schon einmal einen Brandbrief an die Lenker weltweit führender Konzerne verschicken? Die eine oder andere Bemerkung würde einem sicherlich einfallen, die man der feinen Gesellschaft ins Stammbuch schreiben könnte. Wer allerdings wirklichen an den kapitalistischen Verhältnissen rütteln will, muss zu anderen Mitteln als zu Tinte und Feder greifen. So weit, so klar.

Laurence »Larry« Fink, seines Zeichens Chef des »Investmentfirma« genannten Ungetüms Blackrock, will – die Prognose sei gewagt – rein gar nichts am herrschenden System ändern. Gegen gute PR für seinen US-Vermögensverwalter hat er dagegen nichts, und so forderte er besagte Topmanager dazu auf, sich mehr um den Klimaschutz zu kümmern und ihre Unternehmen umzubauen. Über den vierseitigen Brief berichtete das Handelsblatt am Dienstag. Spiegel online nannte ihn den letzten Beweis »für den Erfolg von ›Fridays for Future‹«. Ob sich die klimabewegte Jugend darüber wirklich freuen soll?

Fink, laut Handelsblatt »der mächtigste Mann der Finanzmärkte«, hebt den Zeigefinger: »Das Bewusstsein ändert sich rasant, und ich bin überzeugt, dass wir vor einer fundamentalen Umgestaltung der Finanzwelt stehen.« Die Finanzkrise von 2008 sei noch von vorübergehender Natur gewesen, doch nun stehe der Branche der tiefste Einschnitt der letzten 40 Jahre bevor.

Das Handelsblatt weiß zu berichten, dass Blackrock fast sieben Billionen US-Dollar Anlagegelder verwaltet und Beteiligungen an der »kompletten Unternehmenselite in Deutschland« hält, von Allianz über Bayer bis zur Deutschen Bank und Vonovia. Die Wirtschaftspostille huldigt Fink als dem »Boss des Fondsgiganten«. Es scheint, als ob das Kapital zusehends begreift, wohin die Reise geht. Das einzige Klima, das dabei gerettet werden soll, ist allerdings das auf der nächsten Aktionärsversammlung.

Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. (15. Januar 2020 um 00:44 Uhr)
    Ich bin davon überzeugt, dass Herr Fink gerne dabei mithilft, den Planeten zu retten. Er weiß, wie geholfen werden kann und was getan werden muss. Er wird aktiv und setzt sich ein.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Reinhard Hopp: Am bitteren Ende Und irgendwann in vielleicht gar nicht mehr allzu ferner Zukunft werden sie alle dann in ihren feinen Maßanzügen und auf Bergen von Geld rund um einen riesigen schwarzen Krater hocken, ratlos in die T...

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