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Aus: Ausgabe vom 09.01.2020, Seite 11 / Feuilleton
Rock

Alte Zeiten

Robbie Robertson jüngstes Soloalbum »Sinematic«
Von Thomas Grossman
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Einer der besten Gitarristen der Welt: Robbie Robertson (ehemals bei The Band)

»The Last Waltz« hieß das Abschiedskonzert von The Band im November 1976 in San Francisco. Prominente Gäste waren Bob Dylan, Joni Mitchell, Van Morrison, Eric Clapton und Neil Young. Zwei Jahre später kam »The Last Waltz« in der Verfilmung von Martin Scorsese in die Kinos. Der Songwriter und führende Kopf von The Band, Robbie Robertson, hatte das Farewell-Konzert initiiert.

Seitdem ist viel Zeit vergangen, Robertson hat fünf Alben veröffentlicht, Musik für die Filme Scorseses gemacht. Und jetzt eben wieder ein Soloalbum: »Sinematic«, eine dunkle Platte voller exzellenter Blues-Rock-Songs, mit rauer Stimme gesungen, gesprochen, geflüstert, mit schönen Gitarrenlicks verziert.

Geboren 1943 in Toronto, seine Mutter war Mohikanerin, lebte Robertson hin und wieder in dem kanadischen Grand-River-Reservat der Six Nations, wo viel musiziert wurde. Robbie entschied sich für die Gitarre. Jahre später begleitete er den Rockabillysänger Ronnie Hawkins, gründete mit einem Schlagzeuger aus Arizona und drei Kanadiern die Gruppe Levon and the Hawks, später nur The Band genannt. Sie wurden die Begleitgruppe von Bob Dylan – und auf Tourneen rund um die Welt Nacht für Nacht von Folkfans ausgebuht, die Dylan gefälligst allein mit Gitarre und Mundharmonika sehen wollten. Dylan und Robertson wurden Freunde. Zwei Studioalben spielte The Band mit Dylan ein: 1967 die geheimnisumwobenen »The Basement Tapes«, 1974 »Planet Waves«. Und sie veröffentlichten erstaunliche eigene Alben – entspannte, ehrliche Rootsmusik, Americana. Sie schafften es aufs Cover des Time Magazine, Eric Clapton verließ Cream, um Musik zu spielen wie The Band.

Auf »Sinematic« nun trauert Robertson den Tagen mit The Band hinterher. In dem funkigen »Once Were Brothers« singt er: »When the light goes out / and you can’t go on / you miss your brothers / but now they’re gone.« Auch ein Verweis darauf, dass von The Band nur noch er und Garth Hudson leben. Gleich zwei Songs handeln von Mafiakillern: »I Hear You Paint Houses« (hier singt Robertsons Freund Van Morrison mit) sowie »Shanghai Blues«. Lieder, die vom neuen Film Scorseses »The Irishman« beeinflusst sind, für den Robertson die Musik gemacht hat.

Robbie Robertson: »Sinematic« (Universal)

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