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Imperium von Idioten

USA ziehen keine Lehren aus Kriegsabenteuern und wollen der Welt weiter ihre Hegemonie aufzwingen
Von Mumia Abu-Jamal
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Während diese Zeilen geschrieben werden, rückt das US-Imperium einem weiteren Krieg im Mittleren Osten einen gefährlichen Schritt näher. Grund ist die Ermordung des iranischen Generals Kassem Soleimani, der für sein in einer jahrzehntelangen Laufbahn erworbenes militärisches Genie sowohl im Irak als auch im Iran sehr geschätzt wurde.

General Soleimani war noch ein junger Mann, als der für die Region kata­strophale Krieg zwischen Irak und Iran begann, in dessen achtjähriger Dauer mehr als eine Million Menschen ihr Leben verlor. Die Schiiten drückten ihre Hochachtung für den erfahrenen Soldaten Soleimani dadurch aus, dass sie ihn wegen seines langen Überlebens während des furchtbaren Krieges als »lebenden Märtyrer« bezeichneten. Bis die US-Regierung ihn und seine Begleiter gezielt mit einer von einer Drohne getragenen Rakete abschoss und damit sein Leben beendete.

2003 hatten führende US-Politiker und Geheimdienste die Lüge von den angeblich im Irak entwickelten Massenvernichtungswaffen verbreitet und unter diesem Vorwand ihre Soldaten in den Krieg gegen das Land geschickt. Sie landeten in einem Schlamassel, den Experten als »den größten außenpolitischen Fehler in der modernen Geschichte der Vereinigten Staaten« kritisierten. Der Krieg verschlang Billionen von US-Dollar und kostete Tausende US-Amerikaner das Leben. Er forderte Millionen von Opfern vorwiegend unter der irakischen Zivilbevölkerung und stärkte den Intimfeind der USA, die Islamische Republik Iran, und damit die Schiiten in der Region. Heute ist festzustellen, dass die politische Macht des Iran zugenommen hat, während die Macht der USA gleichzeitig schwindet. Das Schlimmste ist, dass es die US-Politiker versäumt haben, Lehren aus dem Kriegsabenteuer gegen den Irak zu ziehen, und der Welt weiter ihre Hegemonie aufzwingen wollen.

Die militärische Macht ist eine destruktive und nur selten eine schöpferische Kraft. Die Niederlage der USA im Vietnamkrieg hat bewiesen, dass ein Land militärisch stärker sein und dennoch verlieren kann. Die Kriege gegen den Irak und Afghanistan haben gezeigt, dass nicht immer die Stärksten ihre Ziele erreichen, sondern diejenigen, die über das größte Beharrungsvermögen verfügen und durchhalten.

Als Reaktion auf den Mord an General Soleimani hat das irakische Parlament am 6. Januar 2020 eine Resolution beschlossen, die den Abzug aller ausländischen Militäreinheiten aus dem Land fordert, einschließlich der US-Truppen. Imperiale Mächte werden eben nur solange geduldet, wie sie »scheinbar« im Namen des besetzten Landes handeln. Die USA haben jedoch noch nicht einmal so getan, als würden sie diesen Schein wahren. Folglich haben die Iraker die US-amerikanische Präsenz gründlich satt.

Dies alles geschieht gerade jetzt, da die USA kurz davorstehen, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Was wurde in diesen verlustreichen Kriegen gewonnen und was verloren? Die Vereinigten Staaten von Amerika werden in diesen Ländern heute mehr gehasst als je zuvor, und vielleicht, ja vielleicht steht dem Mittleren Osten jetzt ein neuer Krieg bevor.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Istvan Hidy: Mörder ohne Scham Obwohl in den Vereinigten Staaten ein Attentatsverbot gilt, wurde früher nur vermutet, dass die CIA heimlich versucht hatte, eine Reihe ausländischer Führer, u. a. Kubas Fidel Castro, zu töten. Es war...

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