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Aus: Ausgabe vom 13.01.2020, Seite 3 / Schwerpunkt
Rosa-Luxemburg-Konferenz

Genug ist genug

Es reicht mit dem Kapitalismus: Aktivisten aus 16 Ländern auf der XXV. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin
Von Arnold Schölzel
Manifestation für Solidarität mit Lateinamerika: »El pueblo unido, jamas sera vencido!«
»Nieder mit der Besatzung«: Lea Tsemel (Israel)
Rolf Becker als »Charon« im »Floß der Medusa«
Viel junges Publikum
Mehr Engagement für die Jugend: Tory Russell
The Pokes eröffnen die Konferenz musikalisch
Trotz alledem – Kuba wird stärker: Yoerky Sánchez Cuellar
Rund 1.400 Stühle im Saal – zumeist waren sie besetzt

Ein Ziel der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenzen ist es seit der ersten im Jahr 1996: Über den Tellerrand hinauszusehen, um Mut für die Kämpfe im eigenen Land zu schöpfen. Das scheint wieder gelungen. Es war die 25. Ausgabe, die am Sonnabend in Berlin erneut von knapp 3.000, überwiegend jüngeren Menschen und Gästen aus 16 Ländern, besucht wurde. Die rund 1.400 Stühle im großen Saal des Kongresshotels waren dicht besetzt, an den mehr als 100 Ständen von Verlagen, Buchhändlern, Initiativen und Vereinen herrschte ununterbrochen Gedränge, das mittlerweile legendäre »Café K« war Gesprächszentrum. Und die Jubiläumsausgabe hatte einen Jubilar: Moderatorin Anja Panse gratulierte zu Beginn dem Publizisten Otto Köhler zum 85. Geburtstag. Sein Gelöbnis: »Älter werden als Ernst Jünger« (gestorben 1998 mit 102 Jahren).

Das Thema der von der Tageszeitung junge Welt und der Zeitschrift für Gegenkultur Melodie und Rhythmus veranstalteten und von mehr als 30 Gruppen unterstützten Konferenz »Kampf um die Zukunft. Die Systemfrage beantworten« zeigte an: Es soll um soziale Bewegungen der Gegenwart gehen – vom Kampf ums Rentensystem in Frankreich bis zu dem um globale »Klimagerechtigkeit« von »Fridays for Future«. Nicht politische Prominenz, sondern die Akteure des »existierenden Klassenkampfes, wie es Marx und Engels 1848 im »Manifest« formulierten, standen im Mittelpunkt. Über ihn berichteten die Hauptredner der Konferenz von drei Kontinenten – Frankreich (Karl Ghazi, Gewerkschaft CGT), Israel (Rechtsanwältin Lea Tsemel), Libanon (Kamal Hamdan, Kommunistische Partei Libanons), USA (Tory Russell, »Black Lives Matter«), Kolumbien (Luz Díaz, Gewerkschafterin), und Kuba (Yoerky Sánchez Cuellar, Chefredakteur der Tageszeitung Juventud Rebelde). Ihre Reden sind nachzulesen in einer jW-Beilage am 29. Januar sowie der Konferenzbroschüre, die im März erscheint. Aus der Bundesrepublik äußerten sich die zumeist jungen Vertreter verschiedener Protestbewegungen, Parteien und Gewerkschaften. Und wie stets gehörten Kunst und Musik dazu: Von der musikalischen Eröffnung durch The Pokes und die Kunstausstellung der »Gruppe Tendenzen Berlin« über »Das Lied der Kommunarden« aus Brechts »Die Tage der Commune«, das die linke Berliner Theatergruppe Sidat! vortrug, bis zum künstlerischen Höhepunkt, der Jazz-Adaption (Hannes Zerbe und Ensemble) des Oratoriums »Das Floß der Medusa« von Hans Werner Henze mit einem überragenden Rolf Becker als Erzähler Charon. Stürmischer Applaus – und gleiche Begeisterung bei der Manifestation zur Solidarität mit Lateinamerika. Die Kombination von Politik und Kunst macht die Eigenart dieser Konferenz aus. Große Resonanz auch für die Forderungen nach Freiheit für Mitglieder der türkischen Musikgruppe Grup Yorum, für den seit 1981 im US-Gefängnis sitzenden Mumia Abu-Jamal und für Wikileaks-Gründer Julian Assange. Und: jW-Autor Max Zirngast, vor einem Jahr noch in türkischer Haft, war nun Gast auf der Bühne.

Politische Höhepunkte vielleicht: Das von jW-Redakteur Jan Greve geleitete Gespräch mit Sprechern sozialer Bewegungen und die abschließende Podiumsdiskussion über »Flucht, Migration und Klassenkampf«, die jW-Chefredakteur Stefan Huth moderierte (siehe Seiten 12/13 dieser Ausgabe).

Das Jahr 2020, das die USA mit einer Krieg provozierenden Mordaktion begannen, wird konfrontativ. Es genügt das Stichwort: NATO-Manöver »Defender 20«. Vom Kapitalismus ist nichts anderes zu erwarten. Immer mehr haben davon genug – das war der stärkste Eindruck dieses Sonnabends.

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