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Phew ist nicht Puh

Von Rafik Will
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Nichts für zwischendurch: Peyote

Comicsounds und Radio passen ausgezeichnet zusammen. Lautmalerische Effekte lassen sich mit der Stimme oder technischen Hilfsmitteln direkt umsetzen. So kann ein erleichtertes »Puh!« – oder auf Englisch als »Phew!« – unmittelbar ins Mikro gehaucht werden. Ob der Künstlername der japanischen Artpunkerin Phew sich solchen Überlegungen verdankt, ist eine andere Frage. Jedenfalls ist sie mit Stefan Schneider im Electronica-Konzert »IMA_experiments 10« (SWR/ZKM 2017; Di., 23 Uhr, SWR 2) zu hören.

Zum 100. Geburtstag des Science-Fiction-Autors Isaac Asimov bringt Bayern 2 dessen Geschichte »Der Gouverneur ist zu perfekt« (SDR 1969; Mi., 20 Uhr, Bayern 2). In dem Stück wird ein Bürgermeisterkandidat verdächtigt, ein Roboter zu sein und muss deshalb zum Turing-Test. Um eine Neuproduktion handelt es sich bei der zeitgleich gesendeten Bearbeitung von Antonio Ruiz-Camachos Roman »Denn sie sterben jung« (NDR 2020; Ursendung Teil 1/2 Mi., 20 Uhr, NDR Kultur). Als Podcast wird das Stück um den Zerfall einer aus Mexiko geflüchteten bürgerlichen Familie auch mit Videoanimationen unterlegt gezeigt.

Nach Texten von Antonin Artaud hat das Soundwalk Collective sein Klangkunststück »The Peyote Dance« (DLF Kultur 2019; Ursendung Mi., 22 Uhr, DLF Kultur) gestaltet. Die Inszenierung von Artauds Begegnung mit den mexikanischen Indigenen der Tarahumara kann mit den prominenten Sprechern Patti Smith und Werner Herzog aufwarten. Auf derselben Welle läuft tags darauf »Who Cares?! Eine vielstimmige Personalversammlung der Sorgetragenden« (NDR 2018; Do., 22 Uhr, DLF Kultur) von Swoosh Lieu und Katharina Speckmann. Das Stück beschäftigt sich mit der meist unbezahlten Care-Arbeit von Frauen.

Mit der etwas arg besinnlichen Weihnachtsgeschichte »Hotel 4 X-Mas« waren Stuart Kummer und Edgar Linscheid in der Festtagssaison on Air. Thrillerartiger wird es in ihrem Mehrteiler »The Cruise« (WDR 2014/2015; Teil 1/8 Do., 23 Uhr, 1 Live), dessen Wiederholung diese Woche anläuft und im Wochenabstand fortgesetzt wird.

Am Akzent heraushören zu können, woher jemand kommt, maßt sich das BAMF an. Dafür kommt eine spezielle Software zum Einsatz. Pedro Oliveira untersucht in seinem Klangkunststück »A Series of Gaps Rather Than a Presence« (DLF Kultur/CTM Festival 2018; Fr., 0 Uhr, DLF Kultur) diese bürokratische Technik.

Den Irak-Krieg von 2003 arbeitet Eliot Weinberger künstlerisch auf im Hörspiel »Was ich hörte vom Irak« (RBB 2019; Fr., 21 Uhr, Bayern 2). Egon Koch betrachtet die wirtschaftliche Situation der Produzenten für den Kunstmarkt: »Die Kunst, von der Kunst zu leben – Die prekäre Lebenslage von Künstlern« (DLF 2019; Sa., 12 Uhr und So., 15 Uhr, WDR 3). Auf Entdeckungsreise hat sich Erhardt Schmid gemacht: »Die letzten Regenwald-Nomaden – Eine Suche im Herzen Borneos« (BR/HR/SWR/SR 2020; Sa., 13 Uhr und So., 21 Uhr, Bayern 2). Die Arena für ein Soapautorenteam eröffnet Claudia Kaiser im Hörspiel »Die Schicksalsmaschine« (BR 2020; Ursendung Sa., 15 Uhr, Bayern 2).

Die endlose Reise von Paketen verfolgen Ulrich Land und Jörg Marksteiner in »Retouren-Glück: Gekauft. Zurück!« (WDR 2020; So., 11 Uhr und Mo., 20 Uhr, WDR 5), während Olaf Karnik und Volker Zander die Ohren offenhalten: »Zukunftsmusik – Wie die Musik von morgen heute klingt« (DLF 2016; So., 14 Uhr, SWR 2). Die abschließende Hörempfehlung dieser Woche ist Andreas Jungwirths »Auf die Natur kann man nicht böse sein« (HR/MDR 2019; So., 19 Uhr, WDR 3 und Mo., 23 Uhr, 1 Live) über den Suizid eines Soldaten nach einem Antiterroreinsatz.

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