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Aus: Ausgabe vom 04.01.2020, Seite 8 / Ansichten

Offene Kriegserklärung

Ermordung Soleimanis im Irak
Von Wiebke Diehl
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Der General Soleimani galt als Kriegsheld und war eine der beliebtesten Persönlichkeiten im Iran

Es ist weit mehr als eine Kriegsdrohung: Mit der Ermordung von Kassem Soleimani hat die Trump-Administration eine der für die iranische Regierung wichtigsten Persönlichkeiten ermordet, vielleicht sogar die wichtigste. Während Donald Trump – der keine Ahnung von der Region und den in ihr vorherrschenden Dynamiken hat – immer mehr wie jemand wirkt, der ballernd vor einer Spielkonsole sitzt, wissen seine Generäle und Geheimdienstler genau: In der Nacht zu Freitag sind sie vom vielbeschworenen »Stellvertreterkrieg« mit Iran zum heißen Krieg übergegangen.

Kassem Soleimani war der wohl wichtigste Widersacher der zerstörerischen US-Politik in der Region. Geboren 1957 und aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in der südöstlichen iranischen Provinz Kerman, begann er als 13jähriger auf Baustellen zu arbeiten, um seine Familie zu unterstützen. Im Zuge der »Islamischen Revolution« von 1979 begann er seine Militärkarriere. Seit 1998 Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden, stärkte er zunächst im Hintergrund die iranischen Verbindungen mit der libanesischen Hisbollah, der syrischen Regierung und mit schiitischen Gruppen im Irak, um erst in den letzten Jahren öfter ans Licht der Öffentlichkeit zu treten.

Soleimani war der Architekt der »Achse des Widerstands«. Er war maßgeblich beteiligt an der Vereitelung westlicher Regime-Change-Pläne in Syrien und in anderen Ländern der Region. Ohne ihn würden heute die schwarzen Flaggen der von der NATO geförderten Terrorbanden des sogenannten Islamischen Staates über weiten Teilen des Nahen und Mittleren Ostens wehen. Sie wären längst im Chaos versunken. Für die US-Administration und die israelische Regierung war Soleimani, der ganz entgegen westlicher Behauptungen äußerst besonnen vorging, aufgrund seiner Rolle »most wanted« in der Region.

Die Trump-Administration hat aus der Beinahe-Erstürmung ihrer Botschaft in Bagdad Anfang der Woche nichts gelernt. Und sie hat nicht verstanden, dass es weder ihre Kampfhubschrauber noch das von ihren Einsatzkräften verschossene Tränengas waren, die die Demonstranten zum Rückzug bewegten, sondern einzig und allein die Aufforderung der eng mit Iran und besonders Kassem Soleimani verbündeten Volksmobilisierungskräfte (Haschd Al-Schaabi). Anstatt dankbar zu sein für die Deeskalation, hat sie sich für eine Kriegserklärung entschieden.

Soleimani wird nicht leicht zu ersetzen sein. Aber es wäre töricht anzunehmen, die iranische Regierung hätte für den Fall seiner ­Tötung keine Vorkehrungen getroffen. Zahlreiche Mordversuche hat es in den letzten Jahren gegen ihren wichtigsten General gegeben – es war davon auszugehen, dass einer davon »erfolgreich« sein würde. Als die israelische Luftwaffe 1991 den damaligen Generalsekretär der Hisbollah, Abbas Al-Musawi, tötete, bekam sie Hassan Nasrallah. Gewonnen hat sie damit sicher nichts.

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