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Aus: Ausgabe vom 24.12.2019, Seite 2 / Ausland
Rechte Opposition

Terror in Venezuela

Militärbasis von Oppositionellen überfallen. Angreifer festgenommen
Von Carmela Negrete
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Immer auf der Hut: Soldaten der Bolivarischen Streitkräfte patrouillieren an der Grenze Venezuelas zu Brasilien (26.2.)

Am Sonntag abend (Ortszeit) informierte Venezuelas Verteidigungsminister Vladimir Padrino López per Twitter, dass in der Nacht zuvor eine Militärbasis der Bolivarischen Streitkräfte in Luepa, einer südvenezolanischen Stadt an der Grenze zu Guyana, überfallen worden sei. Laut Padrino López soll die Opposition dafür verantwortlich sein. Wie der staatliche Rundfunksender YVKE Mundial Radio auf seiner Webseite berichtete, seien die sechs Terroristen, darunter ein ehemaliger Offizier, festgenommen und rund 100 gestohlene Gewehre sowie Granaten und Munition sichergestellt worden.

Bei einer Verfolgungsjagd sei es demnach zu einem Schusswechsel gekommen, bei dem ein Soldat der Bolivarischen Streitkräfte getötet und ein weiterer verletzt wurde. Venezuelas Außenminister Jorge Arreaza drückte seine Solidarität mit der Familie des Verstorbenen aus und konstatierte per Twitter: »Es bleibt abzuwarten, ob die internationalen Gremien, die ›so besorgt‹ über Venezuela sind, eine objektive Erklärung zu diesen Ereignissen abgeben werden.« Laut Arreaza habe die paramilitärische Gruppe ihr Hauptcamp in Peru; er wertete die peruanischen Autoritäten deshalb als »Komplizen«. Die Angreifer seien über Kolumbien in venezolanisches Territorium eingedrungen und sollen auch Unterstützung von Brasilien erhalten haben.

Die Opposition behauptet jedoch, der Überfall sei ein »Aufstand« innerhalb der Armee gewesen. Laut lokalen Journalisten und Medien, die der Opposition nahestehen, sollen sich rund 30 Reservisten einer Gruppe von Soldaten angeschlossen haben, die in Richtung Brasilien unterwegs waren. Sie sollen einen Aufruf zum Aufstand gegen die Regierung von Präsident Nicolás Maduro via Whats-App an andere Armeeangehörige gesendet sowie versucht haben, einen Kommandanten als Geisel mitzunehmen. Laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA soll es sich bei einem der festgenommen Soldaten um einen Deserteur handeln.

Hinzu kommt in der Region um Luepa noch ein Konflikt zwischen Caracas und den dortigen Indigenen um das Thema Bergbau. Seit Anfang des Jahres sollen laut der argentinischen Nachrichtenagentur Télam in diesem Zusammenhang drei Indigene gestorben, mehrere Dutzend »verschwunden« und Hunderte ins Exil gegangen sein. Aus diesem Grund sollen Indigene die Angreifer unterstützt haben.

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