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Aus: Ausgabe vom 23.12.2019, Seite 1 / Ausland
Frankreich

Arbeitskampf geht weiter

Frankreich: Kein Ende der Streiks und Proteste gegen Macrons »Reform« des Rentensystems
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»Macron – Weihnachtsmann der Reichen, Feind des Volkes«: Proteste gegen den Staatschef Frankreichs und seine »Reformen« in Paris am Donnerstag

Die französischen Gewerkschaften geben in ihrem Kampf gegen die von Präsident Emmanuel Macron geplante »Reform« des Rentensystems nicht nach. Streikende Bahnmitarbeiter haben den Schienenverkehr im Land am Vorweihnachtswochenende teilweise zum Erliegen gebracht. Wie Frankreichs staatliche Bahngesellschaft SNCF mitteilte, fuhren im Schnitt nur etwa die Hälfte der Hochgeschwindigkeitszüge TGV. Auch der Regionalverkehr war weiterhin stark gestört. Seit rund zweieinhalb Wochen lähmen Proteste und Streiks gegen das Prestigeprojekt des neoliberalen Staatschefs das Land.

Macron richtete während eines Besuchs in der Elfenbeikünste einen Appell an die Streikenden, »Verantwortungsbewusstsein« zu demonstrieren und ihre Proteste zumindest über die Feiertage auszusetzen. Der frühere Banker forderte eine Streikpause »aus Respekt gegenüber den Familien«, die die Feiertage zusammen verbringen möchten.

Die gewünschte Unterbrechung zu Weihnachten zeichnete sich allerdings nicht ab. Mehrere Gewerkschaften hatten dazu aufgerufen, den Arbeitskampf fortzusetzen. In Paris wird weiter die Nahverkehrsgesellschaft RATP bestreikt, viele Metrolinien in der Millionenmetropole verkehren nicht. Inzwischen machen sich erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen des Dauerstreiks bemerkbar – vor allem in der Touristenhochburg Paris. Laurent Duc vom Hotellerieverband UMIH sagte dem Radionachrichtensender Franceinfo, die Reservierungen seien um 40 bis 50 Prozent eingebrochen, deutliche Preisnachlässe seien die Folge.

Am Donnerstag waren Gespräche zwischen Gewerkschaften und Regierung gescheitert und auf den Januar verschoben worden. Der Generalsekretär der Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez, warf am Freitag morgen Premierminister Édouard Philippe vor, er verhindere einen »Waffenstillstand«, weil er an der »Reform« des Rentensystems festhalte. Umfragen zufolge ist eine Mehrheit der Franzosen gegen das Regierungsvorhaben. (dpa/AFP/jW)

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