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Aus: Ausgabe vom 16.12.2019, Seite 16 / Sport
Basketball

Entgrenzung der Liga

Bisher waren die Stars der NBA vor allem Nordamerikaner. Das könnte sich ändern
Von Rouven Ahl
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Gesicht der NBA: Der Grieche Giannis Antetokounmpo von den Milwaukee Bucks

In der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA steht mittlerweile ungefähr ein Viertel der regulären Saison in den Büchern. Erste Tendenzen lassen sich bereits erkennen – auch wenn noch mehr als 50 Spiele zu absolvieren sind und anschließend die Unwägbarkeit der Playoffs wartet.

Rein tabellarisch betrachtet, sind aktuell die Los Angeles Lakers und die Milwaukee Bucks die besten Teams. Bleiben Verletzungen aus, dürften sie die Topanwärter auf die Meisterschaft sein. Dabei sind die Lakers zweifellos das glamouröseste Team der Liga, zumal sich LeBron James im vergangenen Sommer dazu entschieden hat, das letzte Kapitel seiner Karriere beim 16fachen Champion anzugehen. James ist der wohl beste Basketballer der jüngeren Vergangenheit und inzwischen so etwas wie das Gesicht der Liga. Doch auch wenn es die Auftritte des dreimaligen Titelträgers unglaublich erscheinen lassen – seine Karriere neigt sich dem Ende.

Im eher provinziellen Milwaukee gibt es jemanden, der legitimerweise Anspruch auf die Nachfolge erhebt: Giannis Antetokounmpo. Der 25jährige Grieche wuchs als Kind nigerianischer Einwanderer in Athen auf. In der vergangenen Spielzeit scheiterte er zwar mit den Bucks im Finale der Eastern Conference am späteren Meister Toronto Raptors, wurde aber zum wertvollsten Spieler der Saison gekürt. Der Titel ging damit zum vierten Mal in der NBA-Geschichte an einen Akteur von außerhalb der USA. Die Vorgänger Antetokounmpos waren Hakeem Olajuwon (Nigeria), Steve Nash (Kanada) und Dirk Nowitzki (Deutschland). In naher Zukunft könnte die Reihe länger werden. Noch nie verdienten so viele Spieler aus dem Ausland ihr Geld in der besten Basketballliga der Welt. Ihr Anteil hat sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht, von 36 in der Saison 1999/2000 auf 108 in der aktuellen Spielzeit.

Die größten Stars der NBA waren bisher in aller Regel Nordamerikaner. In den 2020ern könnte sich das ändern. Der 20jährige Slowene Luka Doncic zum Beispiel hat die Liga innerhalb eines Jahres mit seinem erstaunlichen Talent im Sturm erobert und aus den Dallas Mavericks, dem Exklub von Dirk Nowitzki, wieder einen sportlich ernstzunehmenden Klub gemacht. Vielen Experten gilt er als wertvollster Spieler der näheren Zukunft. Die Liste der vielversprechenden Talente aus dem Ausland ließe sich fortsetzen. Es sind nicht nur deutlich mehr geworden, sie haben auch deutlich mehr Qualität.

Das hat mehrere Gründe. Zum nennen wäre die Talentsuche der NBA-Teams, die sich schon sehr lange nicht mehr auf die Colleges des Landes beschränkt. Auch ist das Basketballniveau außerhalb der USA höher einzuschätzen. In Europa treffen regelmäßig die besten Teams des Kontinents in der Euroleague aufeinander. Luka Doncic war sicher auch aufgrund der dort gemachten Erfahrungen schon früh bereit für die NBA.

Die NBA ist nicht zuletzt global um einiges präsenter, wodurch die Faszination bei jüngeren Menschen wächst. Hinzu kommen weltweit organisierte Camps wie »Basketball without Borders«, wo etwa die beiden Kameruner Pascal Siakam (25) und Joel Embiid (25) entdeckt wurden, die ebenfalls Kandidaten für künftige Auszeichnungen sind.

Am Ende geht es nicht darum, ob der aktuell beste Spieler aus den USA kommt oder nicht. Die NBA wird so oder so internationaler. Eine Entwicklung, von welcher der Sport nur profitieren kann.