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Aus: Ausgabe vom 16.12.2019, Seite 1 / Inland
Einzelhandel

Keine Einigung bei Galeria Karstadt Kaufhof

Gewerkschaft setzt Unternehmern Ultimatum. Streiks im Weihnachtsgeschäft angedroht
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Die Beschäftigten wehren sich gegen die drastischen Kürzungspläne der Unternehmensführung

Im Tarifkonflikt bei der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof droht die Gewerkschaft Verdi mit einer Ausweitung der Streiks. Die Tarifverhandlungen für Kaufhof, Karstadt Warenhaus, Karstadt Sports sowie Karstadt Feinkost seien am Wochenende ergebnislos unterbrochen worden, nachdem das Unternehmen bereits gemachte Zusagen wieder in Frage gestellt habe, erklärte Verdi am Sonntag. »Das ist eine unverschämte Provokation«, sagte Verdi-Verhandlungsleiter Orhan Akman. Das Management müsse sein Taktieren beenden. Sonst provozierten die Unternehmer »Arbeitskampfmaßnahmen in deutlich größerem Umfang als bisher im umsatzstarken Weihnachtsgeschäft«, drohte Akman.

Die Tarifverhandlungen sollen nun in dieser Woche fortgesetzt werden. Verdi habe mit dem Management weitere Gespräche für Mittwoch und Donnerstag vereinbart. »Das ist die letzte Chance«, sagte Akman: »Der Arbeitgeber hat es in der Hand, diese Auseinandersetzung nun endlich zu beenden oder sämtliches Porzellan zu zerschlagen«, betonte er. Streiks seien auch in den nächsten Tagen nicht ausgeschlossen. Verdi hatte bereits am vergangenen Donnerstag mit Protesten unter anderem bei Kaufhof den Druck erhöht.

Die Gewerkschaft und der Warenhauskonzern verhandeln bereits seit Monaten. Ohne ein neues Abkommen zur Rückkehr zum Flächentarifvertrag könnte der Sanierungstarifvertrag bei Karstadt auf das gesamte Unternehmen angewendet werden, was zu Einbußen für die Kaufhof-Mitarbeiter führen könnte, hatten Vertreter der Beschäftigten gewarnt. Der Tarifvertrag solle letztlich für alle rund 28.000 Beschäftigten gelten, die für die bisherigen Warenhäuser von Kaufhof und Karstadt sowie für Karstadt Sport und Karstadt Feinkost tätig seien, hatte Verdi gefordert. Die Gewerkschaft dringt zudem auf Garantien für Standorte und Arbeitsplätze.

Kaufhof ist seit einem Jahr Teil eines Gemeinschaftsunternehmens mit Karstadt. Eigner ist die österreichische Si gna-Gruppe des Immobilieninvestors René Benko. (Reuters/jW)