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Aus: Ausgabe vom 12.12.2019, Seite 10 / Feuilleton
Literaturnobelpreis

Da ist das Ding

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Redlich verdient: Peter Handke (l.) erhält die Nobelpreisurkunde aus den Händen von Schwedens König Carl XVI. Gustaf

Der österreichische Schriftsteller Peter Handke ist im Stockholmer Konzerthaus mit dem diesjährigen Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden. Neben ihm nahmen am Dienstag auch die polnische Autorin Olga Tokarczuk, Preisträgerin für das Jahr 2018, sowie zwölf Wissenschaftler in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaft ihre Nobelmedaillen und -diplome entgegen.

Von der anhaltenden weltweiten Kampagne gegen Handke wegen dessen Schriften zu den Balkankriegen war während der Zeremonie wenig zu spüren. Als Schwedens König Carl XVI. Gustaf die Auszeichnung überreichte, gab es aus dem Publikum den üblichen Applaus. Kroatien, Albanien, das Kosovo und die Türkei hatten allerdings aus Protest auf die Anwesenheit ihrer Botschafter verzichtetet. Vor dem Konzerthaus demonstrierten etwa 200 Personen gegen Handke. Die Akademie hatte ihre Entscheidung für den Schriftsteller im Vorfeld vehement verteidigt, sich dabei allerdings auf eine recht einfache Position zurückgezogen: Man müsse zwischen der Person und ihrem Werk unterscheiden. Handkes literarischer Rang ist international unumstritten.

Seit der Bekanntgabe der Preisvergabe an Handke ist ein seit 20 Jahren anhaltender Streit wieder aufgeflammt. Der Österreicher hatte ab 1996 in literarischen Reportagen, Essays und anderen Schriften immer wieder die Berichterstattung westlicher Medien über die Jugoslawienkriege gegeißelt und sich mit Serbien solidarisiert. Er war einer der prominentesten Intellektuellen, die 1999 den NATO-Angriffskrieg gegen das Land verurteilten. Deshalb wird ihm vor allem in westlichen Staaten und muslimisch geprägten Ländern vorgeworfen, Massaker an muslimischen Bosniern relativiert oder gar geleugnet zu haben – was sich in Handkes Schriften nicht nachweisen lässt. (dpa/jW)

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Reinhard Hopp: Wer weiß? Wenn ich das gegenwärtige Handke-Bashing denn richtig verstehe, geht es im Kern wohl um die Frage, »Völkermord« ja oder nein. Für die unzähligen Opfer und den Schmerz der Hinterbliebenen dürfte diese ...

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