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Aus: Ausgabe vom 11.12.2019, Seite 5 / Inland
Diesel-Skandal

Kanada verklagt Volkswagen

Nach Untersuchungen wird der Autobauer per Vergleich zur Kasse gebeten
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Volkswagen hatte 2015 auf Druck der US-Behörden zugegeben, bei der Abgasmessung von Dieselmotoren betrogen zu haben

Vier Jahre nach Bekanntwerden des Diesel-Abgasskandals hat nun auch Kanada eine Klage gegen Volkswagen in 60 Punkten eingereicht. Das teilte Kanadas Regierung am Montag (Ortszeit) in Toronto mit. Sie wirft dem Autobauer demnach vor allem die gezielte Einfuhr von Autos vor, die nicht den kanadischen Umweltschutzgesetzen entsprechen, sowie gezielte Desinformation. Demnach geht es um den Import von 128.000 Autos von Januar 2008 bis Dezember 2015. Die Klage sei nach vierjährigen Untersuchungen des kanadischen Umweltministeriums eingereicht worden, schrieb die Regierung.

Volkswagen erklärte, das Unternehmen habe bei der Untersuchung mit der Behörde umfassend kooperiert. Bei einer Anhörung an diesem Freitag (13.12.) vor einem Gericht in Ontario würden beide Parteien eine Vergleichslösung zur Prüfung vorlegen. Einzelheiten dazu würden in dieser mündlichen Verhandlung vorgestellt.

Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck der US-Behörden zugegeben, in großem Stil bei der Abgasreinigung von Dieselmotoren betrogen zu haben. Der Konzern räumte ein, die Abgas-Software bestimmter Dieselmotoren so eingestellt zu haben, dass im tatsächlichen Betrieb auf der Straße deutlich mehr giftige Stickoxide (NOx) ausgestoßen wurden als in Schadstofftests.

Das Justizministerium der Vereinigten Staaten hatte bereits am 4. Januar 2016 eine Zivilklage in Detroit gegen Volkswagen auf Zahlung von 46 Milliarden US-Dollar Schadenersatz eingereicht. Um dieser Milliardenstrafe zu entgehen, beschloss VW, die verkauften Dieselautos umzurüsten oder direkt von den Kunden zurückzukaufen. Am 20. Dezember 2016 erzielte Volkswagen eine Einigung über die betroffenen 80.000 VW-, Audi- und Porsche-Fahrzeuge. Die Eigentümer dieser Wagen der Baujahre 2009 bis 2016 erhielten eine Entschädigung zugesagt, die auf etwa 1 Milliarde US-Dollar geschätzt wird. Einschließlich Strafen hat der Abgasskandal VW allein in den USA mehr als 25 Milliarden Euro gekostet. (dpa/AFP/jW)