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Therapiebedarf

»Wir sind keine Therapieeinrichtung für den Koalitionspartner«, hatte Annegret Kramp-Karrenbauer am Montag im ZDF-»Morgenmagazin« erklärt. Das ist für die SPD bitter. Aber kann ihr die CDU eine Therapie in ihrem jetzigen Zustand verweigern? Wäre das nicht unterlassene Hilfeleistung und damit kriminell und strafbar?

Anderseits, wie soll ein schwer gestörter Patient namens CDU einem anderen therapieresistenten Patienten (SPD) helfen? Nur weil selbst schwer betroffen, ist die Union noch lange nicht als Therapeut qualifiziert. Und ist sie bei den Kassen überhaupt als Therapeutin zugelassen? Manchmal benehmen sich die beiden Regierungspartner zwar wie eine Selbsterfahrungsgruppe (und vielleicht entwickelt sich beide auch wieder dahin zurück), aber de facto (und de jure) sind beide Gruppierungen fast so etwas wie politische Parteien. Also a. D.

Gegenwärtig versucht sich das Führungspersonal beider »Volks«-Parteien eher auf dem Gebiet der Stand-up-Comedy. Kaum anzunehmen, dass das Komikerduo (oder ist es ein Trio?) Walter-Borjans-Esken mehr Leute zum Lachen bringt als Mario Barth. Aber vielleicht erzeugen sie so viele Lacher, wie Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange, die nette Salonlinke von nebenan.

Immerhin hat Esken schon mal einen Landeselternbeirat zusammen- und zwei entlaufene Streithähne im heimischen Dorf auseinandergebracht. Mit etwas mehr Bühnen- und Talkshowerfahrung wird sie wohl auch das mit dem Führen der SPD wuppen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.12.2019, Seite 11, Feuilleton

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