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Aus: Ausgabe vom 04.12.2019, Seite 16 / Sport

Rattensicher

Von André Dahlmeyer
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Wer ist hier Titelfavorit? Leonel Vangioni (Monterrey) und Ángel Sepúlveda (Monarcas-Morelia) am Dienstag

In der mexikanischen Liga im Balltreten für Jungs laufen gerade die Playoffs, für die sich die besten acht der 19 Teams qualifizierten. Als erstes Team zog Monarcas Morelia (Bundesstaat Michoacán), das von dem früheren Trainer von San Lorenzo de Almagro, Pablo Guede, gecoacht wird, in die Viertelfinals ein.

Nachdem die Gelb-Roten gegen Club León (Bundesstaat Guanajuato) zu Hause noch gepatzt hatten (3:3), gelang ihnen am Wochenende im Rückkampf mit einem – höchst umstrittenen – 2:1 Erfolg die Qualifikation. Guedes Schutzbefohlene attackierten wirksam alle Schwachstellen der von Ignacio Ambriz angeleiteten Gastgeber. Die waren zwar dank Ismael »Chuco« Sosa nach rund 50 Minuten in Führung gegangen. Doch die währte nur eine Viertelstunde, dann glich Miguel Sansores per Kopf aus. Nur fünf Minuten später schnürte der peruanische Nationalspieler Edison Flores mit einem Traumtor den Sack für die »Michoacanos« rattensicher zu. Für Ärger sorgte das Ende des Matches. In Minute 96 segelte eine Flanke in den Strafraum, die Ángel Mena mit dem Kopf zum Ausgleich neben den langen Pfosten drückte. Doch der Videoassistent annullierte den Treffer wegen angeblichen Foulspiels des Ecuadorianers gegen Efraín Velarde, was allerdings nur die Männer in Schwarz gesehen hatten.

Gegner der Monarcas in den Semifinals ist der 13malige mexikanische Meister Club América aus dem Distrito Federal. Die »Adler« waren zwar Titelverteidiger Tigres UANL aus Monterrey zunächst noch mit 1:2 unterlegen, doch das Rückspiel im Universitätsstadion von San Nicolás de los Garza (der reichsten Stadt Mittelamerikas) ging dann mit 2:4 klar an die Hauptstädter, die die reguläre Saison nur auf Rang sechs abgeschlossen hatten. Bereits nach 45 Minuten hatten die Gäste dank der Tore des Ex-Barça-Spielers Giovani dos Santos scheinbar uneinholbar mit 0:3 vorne gelegen. Doch nach der Pause traf Javier Aquino, und André-Pierre Christian Gignac, französischer Vizeeuropameister von 2016, stellte in Minute 71 auf 2:3. Zu früh gefreut: Die Adler setzten zehn Minuten vor Zappenduster mit Emanuel Aguileras Elfmeter den Dolchstoß .

Mittlerweile ist Gignac, der seit 2015 für Tigres stürmt, der erfolgreichste Angreifer der Vereinsgeschichte, und es tut dem lateinamerikanischen Fußball sehr gut, dass immer mehr begnadete Kicker wie »Dede« auf der anderen Seite des großen Teichs ihre Schrippen verdienen. Der Treffer gegen América war schon sein 23. in den finalen Instanzen der Mariachis, damit steht er im Ranking der Rekordtorschützen bereits auf Rang sechs. Uneinholbar vorn liegt freilich nach wie vor der paraguayische Superbomber und ehemalige Welttorjäger José Saturnino Cardozo mit 43 Einlochungen, gefolgt von Volksidol Jared Borgetti mit 40. Gignacs Vertrag bei den »Raubkatzen« gilt noch bis Mitte 2021.

Mit Morelia und Monterrey stehen nun zwei Teams im Halbfinale, die sieben von 18 Spielen verloren hatten und sich erst am letzten Spieltag qualifizieren konnten. Von den sechs hochdotierten argentinischen Trainern, darunter der Weltmeister von 1978, Ricardo La Volpe, wurden vier entlassen. Neben Pablo Guede noch dabei ist Antonio Mohamed von Monterrey. Titelfavorit ist ganz klar Monterrey!

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