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Aus: Ausgabe vom 29.11.2019, Seite 15 / Feminismus
Kreativer Aufschrei in Chile

Gegen Staats- und Männergewalt

Chileninnen protestierten vielfältig
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Feministische Protestaktion am Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen an einer Kirche in Valparaíso

Mit Flashmobs, Kundgebungen und Agit-Prop-Aktionen haben Chileninnen in mehreren Städten des Landes den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen begangen. Adressaten des Protests am 25. November waren sowohl Staat und Kirche – etwa in der Hafenstadt Valparaiso (Foto) – als auch eine männerdominierte Gesellschaft.

Einer der aktuellsten Anlässe war die Ermordung der Fotojournalistin Albertina Martínez Burgos, deren Leiche vergangene Woche mit Stichwunden in ihrer Wohnung in Santiago de Chile gefunden worden war, nachdem sie Polizeigewalt dokumentiert hatte. Angehörige und die feministische Bewegung »Ni una menos« (Nicht eine weniger) machten an den Folgetagen in »sozialen Netzwerken« darauf aufmerksam, dass der Computer und die Kamera der 38jährigen aus ihrer Wohnung verschwunden seien.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft der chilenischen Polizei unterdessen schwere Menschenrechtsverletzungen beim Vorgehen gegen die seit Wochen andauernden Sozialproteste vor. Von »Hunderten verstörenden Berichten« und auch von sexuellen Übergriffen sprach die Organisation am Dienstag. Chiles Präsident Sebastián Piñera hatte am 22. November beschwichtigt, er halte es für möglich, dass »in einigen Fällen« die Vorschriften nicht eingehalten worden seien.

Die Demonstrantinnen machten aber ebenso auf häusliche Gewalt aufmerksam, die Frauen zum Teil nicht überleben und die von staatlichen Behörden nicht ernst genug genommen werde. Das Problem werde auch durch die falsche Benennung als »Verbrechen aus Leidenschaft« beflügelt, hieß es von seiten der Aktivistinnen. (Reuters/AFP/jW)

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