Schwarzer Kanal
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Von Rafik Will
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Könnten Dächer sein, die hier nahe Deggendorf aus dem Hochwasser der Donau ragen (5.6.2013)

Vielleicht gehören Klimaproteste und Feminismus ja tatsächlich zusammen: »Feministische Kämpfe und die Überwindung der ökologischen Krise müssen zusammengedacht werden. Sowohl die Natur als auch Frauen* werden im Kapitalismus systematisch für die Profitmaximierung als ›Ressourcen‹ gehandelt.« Auf eine Analyse sozialer Kämpfe kann man sich mit »Ökofeminismus: Gemeinsam gegen Naturausbeutung und Pa­triarchat« (Di., 9 Uhr, FSK) freuen. Ebenfalls aus Hamburg kommt morgen – nach der Ursendung im September auf Bayern 2 – Dietmar Daths neuestes Hörspiel »Maryam – Kein Nachruf für euch« (BR/NDR 2019; Mi., 20 Uhr, NDR Kultur).

Bremen ist der Stadtstaat mit der kleinsten Landesrundfunkanstalt in Deutschland. Die Hörspiele von dort sind trotzdem gut. Ben Safiers »ARD-Radio-Tatort« »Das letzte Bier war schlecht« (RB 2019; Ursendung Mi., 20 Uhr, Bayern 2) beschäftigt sich mit der Aufklärung des Mordes an einem Türsteher. Klingt ziemlich ungemütlich.

Um Konflikte und deren mediale Vermittlung in einer kleinen ostdeutschen Stadt, die den verheißungsvollen Namen »Leerstadt« trägt, geht es in Paul Plampers »Der Absprung« (WDR/Schloss- und Kulturbetrieb Altenburg/BR/DLF Kultur 2018; Do., 22 Uhr, DLF Kultur). Die Geschichte spielt 2015, das Ensemble des örtlichen Theaters sieht sich rassistischen Anfeindungen ausgesetzt. Die geplante Aufführung steht auf der Kippe.

Thomas Gsella und Hans Zippert tauchen im neuesten Hörspiel von Peter Fey und Stefan Veith auf: »Zwischen Schokolade und Prothesen« (SWR 2019; Ursendung Do., 22 Uhr, SWR 2). Sprachliche Qualitätsarbeit höchster Güte, nicht verpassen! Außerdem kann man so endlich mal erfahren, wie es nach dem Tod weitergeht, ohne gleich sterben zu müssen.

Inwiefern sich traditionelle Rhythmen in verschiedenen Städten ähneln, erkundet Satch Hoyt in »Afro-Sonic Mapping« (HdKW Berlin/DLF Kultur 2019; Ursendung Fr., 0 Uhr, DLF Kultur), während »Naziterrorismus und Gesellschaft« (Fr., 7 Uhr, FSK) Aufklärungsarbeit leistet.

»Stresstest Deutschland« war übrigens ein Arbeitstitel von Thilo Guschas’ und Helgard Haugs »Chinchilla Arschloch, waswas«, für das sie den Hauptpreis bei den »ARD-Hörspieltagen« in Karlsruhe bekommen haben. Sie porträtieren einen Vater mit Tourette-Syndrom, den die Tochter auf eine Reise nach Sylt mitnimmt. Ein ungewöhnliches Stück. Es ist in der ARD-»Audiothek« zu hören, dort findet man auch die Jurydiskussion.

Tom Peuckerts »Die Jahre aus Gold und Eis« (RBB 2019; Teil 1 und 2/8 Fr., 22 Uhr, RBB Kultur) kommt nach dem Spezialtermin am 9.11. ab jetzt im Wochenabstand bis Weihnachten. Und eine Wiederholung, auf die wohl viele schon sehnsüchtig gewartet haben: Karl Lippegaus’ »Die letzten Romantiker – Eine Lange Nacht des Bossa Nova« (DKultur/DLF 2006; Sa., 0 Uhr, DLF Kultur und 23 Uhr, DLF).

Ein Hirnforscher mit Parkinson steht im Zentrum von Andreas Liebmanns »Mein prähistorisches Hirn« (WDR 2017; Sa., 19 Uhr, WDR 3 und So., 17 Uhr, WDR 5), und Jochanan Shelliems »17 Hippies revisited – Wir träumen immer noch« (WDR 2018; So., 20 Uhr, DLF) ist ein schöner Einklang in den Abend, der mit Anna Raimondos »Ö1 Kunstsonntag: Radiokunst – Kunstradio« (Eigenproduktion 2019; Ursendung So., 23 Uhr, ORF Ö1) zu Ende gehen kann.

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