Gegründet 1947 Donnerstag, 21. November 2019, Nr. 271
Die junge Welt wird von 2220 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 08.11.2019, Seite 8 / Ansichten

Menschenfreund des Tages: Mathias Döpfner

Von Michael Merz
Konferenz_und_Messe_56734737.jpg

Mathias Döpfner ist ’ne Nummer in diesem Land – Cheflobbyist der mächtigen Zeitungsverleger und Chef des Axel-Springer-Konzerns. Bei der »Atlantikbrücke« hat er die Finger im Spiel, zur Konferenz der »Bilderberger« durfte er auch schon mal. Selbst wenn die Auflagen seiner Zeitungstitel sich im Sturzflug befinden, Döpfner hat Geld wie Heu und vor allem jede Menge Einfluss. Da lässt es sich eine aufstrebende Nichtregierungsorganisation nicht nehmen, ihm einen Preis zu überreichen – kann ja nur gut sein fürs eigene Wachstum. Die Janusz-Korczak-Akademie hat sich der Förderung jüdischer Jugend- und Erwachsenenbildung verschrieben und verlieh Döpfner am Donnerstag einen bunten Staubfänger für dessen Büroregal. Dotiert ist er mit 500 Euro, das dürfte beim Springer-Chef für ein mildes Lächeln gesorgt haben.

Kräftig losgeprustet müsste Döpfner haben – Selbstironie vorausgesetzt –, als er erfahren hat, worum er sich verdient gemacht haben soll: die Wahrung des Friedens, die Bekämpfung von Hass, Gewalt und Menschenfeindlichkeit. Am selben Tag titelte Bild: »Deutschlands faulster Arbeitsloser jubelt: ›Jetzt gibt’s Hartz IV auf dem Silbertablett!‹« und auf der Website finden sich Knaller wie »Weil sie im Stehen pinkelte: Irrer Knaststreit um transsexuelle Diva«. Okay, für die Drecksarbeit sind die unteren Chargen wie Julian Reichelt, Chefredakteur aller Chefredakteure des Chefredakteursuniversums, zuständig. Der kann den Mob mit Fake News über Freibäder als »Orten des Schreckens« füttern und sich gedanklich schon im Panzer vor Moskau wähnen. Döpfner greift aber auch selbst zur Edelfeder, wie nach dem Attentat eines Neonazis in Halle. In einem Kommentar für die Welt hält er sich nicht lang mit Rechtsterrorismus auf, kommt sogleich ins Bashing von »zweifelhafte(r) Flüchtlingspolitik« und Klimaschützern. Preisverdächtig.

Mehr aus: Ansichten