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Aus: Ausgabe vom 30.10.2019, Seite 10 / Feuilleton

Knaup, Foth

Von Jegor Jublimov

Vier Wochen nach dem 25. Geburtstag von Dieter Knaup, den wir kürzlich hier zum 90. würdigten, brachte seine Frau einen Jungen zur Welt. Und so wurde Andreas Knaup gestern 65. Als Sohn zweier Theaterleute ging er einen ähnlichen Weg, wurde zuerst Schauspieler, den Ruth Berghaus schon als 16jährigen Eleven ans Berliner Ensemble holte, und übernahm erste TV-Rollen. In Leipzig spielte sich Knaup ab 1978 frei. Daneben begann er zu schreiben, zunächst als Librettist für Märchen- und Rockmusicals, dann mit dramatischen Romanadaptionen nach Bulgakow und Trifonow – also eine durchaus interessante Mischung aus Unterhaltung und Drama. Diese beiden Komponenten prädestinierten ihn, auch Serien für ein breites Publikum zu schreiben. Er begann noch bei der heiteren Dramatik des DFF, z. B. mit »Klein, aber Charlotte«, 1990 Helga Piur auf den Leib geschneidert, verfasste auch mal den »Tatort« und zahlreiche Folgen von »Schloss Einstein«, »Soko Stuttgart«, und zu besonderer Form lief er bei »In aller Freundschaft« mit dieser speziellen Mischung aus Dramatik und Heiterkeit auf. Knaup war Regisseur bei der Leipziger Oper und der Musikalischen Komödie, Opern- und Schauspieldirektor in Radebeul, ist Synchron- und Hörspielsprecher. Dass Knaup auch ein Privatleben hat, darf bezweifelt werden, aber das kann sich nach dem 65. ja ändern!

Jörg Foth wird morgen 70, aber wer ihn als den langhaarigen Schlaks in Erinnerung hat, als der er zu Beginn der 70er Jahre zunächst als Volontär beim Fernsehfunk und dann als Regiestudent an der Babelsberger Filmhochschule begann, wird ihn unschwer wiedererkennen. Er gehört der »verlorenen« Defa-Generation an. Die Altmeister waren noch nicht wirklich alt und weiter kreativ, so dass Hochschulabsolventen allzu lange mit Regieassistenzen abgespeist wurden. Foth arbeitete mit berühmten, auch eigenwilligen Regisseuren wie Ulrich Weiß, Günter Reisch und Bernhard Wicki zusammen. Nach seinem vielbeachteten Kinderfilm »Das Eismeer ruft« (1984) nach Alex Wedding ging Foth in die Annalen als einer der wenigen Defa-Regisseure ein, der einen Spielfilm in einem asiatischen Land drehte. »Dschungelzeit« über einen deutschen Fremdenlegionär in Indochina um 1950 entstand 1987 als Koproduktion DDR/Vietnam an Originalschauplätzen. Für Foth wurde die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Kulturen mit einem Koregisseur nicht leicht, was der künstlerischen Geschlossenheit schadete.

Auch viele Kurzfilme drehte der Regisseur, etwa über Konstantin Wecker und Mensching & Wenzel. Die beiden Clowns standen 1990 im Mittelpunkt von Foths Hauptwerk »Letztes aus der DaDaeR«, das den Niedergang der endenden Republik satirisch-gallig kommentierte.

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