Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 23.10.2019, Seite 16 / Sport
Eishockey

Schnauze voll vom Verlieren

Eispiraten Crimmitschau wollen wieder in die Play-offs einziehen
Von Oliver Rast
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Seit dieser Saison spielt der tschechische Profi Lukas Vantuch bei den Eispiraten Crimmitschau

Bestimmte Städte wären ohne bestimmte Sportklubs nahezu unbekannt. Lücken geographischer Grundkenntnisse lassen sich so schließen. Wie im Fall der Eispiraten aus Crimmitschau. Der Ort liegt in Sachsen, genauer: Westsachsen. Eishockey hat hier Tradition, im nächsten Jahr eine hundertjährige.

Die Crimmitschauer Eiscracks des vormaligen ASK Vorwärts und der späteren Betriebssportgemeinschaft (BSG) Einheit standen zu DDR-Zeiten oft im Schatten der Dynamos aus Berlin und Weißwasser. In der »kleinsten Liga der Welt« machten beide ab der Saison 1970/71 die Staatsmeisterschaft unter sich aus. Dem war ein Beschluss vorausgegangen, wonach Eishockey aus dem Kreis förderungswürdiger Sportarten ausschied und die Oberliga nur noch aus den Dynamo-Klubs bestand. Dafür wurde eine »Bestenermittlung« als Ersatz für den Unterbau der Oberliga, die Gruppenliga, eingeführt. Klassenbester war die BSG Einheit öfter, genaugenommen 1971, 1972, 1974 und 1980.

Böen, Regen, Schneetreiben – Eishockey im Crimmitschauer Sahnpark war bis 1994 eine Freiluftveranstaltung, dann erst kam ein Dach über die Eisfläche. 2007 wurden die Profis aus dem Stammverein ETC Crimmitschau ausgegliedert. Seitdem firmieren sie als Eispiraten Crimmitschau und sind Gründungsmitglied der zweitklassigen Deutschen Eishockeyliga 2 (DEL 2), die seit 2013 eigenständig ist. »Wir hatten den Charakter einer Art ›Rebellenliga‹«, sagte jüngst deren Geschäftsführer René Rudorisch. Nach langen Querelen mit dem Deutschen Eishockeybund (DHB) wird die DEL 2 ab der kommenden Saison über Auf- und Abstiege mit der erstklassigen DEL verzahnt.

Kurz zum Modus der DEL 2: Die 14 Klubs absolvieren in der Hauptrunde 52 Spiele. Für die Pre-Play-offs sind die Teams auf den Plätzen sieben bis zehn qualifiziert, für das folgende Viertelfinale die sechs Bestplazierten der Hauptrunde und die beiden Sieger der Pre-Play-offs. Ziehen die Eispiraten wieder in die Play-offs ein, wäre dies das dritte Mal in Folge. Endstation war in den vergangenen beiden Spielzeiten jeweils im Viertelfinale.

»Die Liga wird immer ausgeglichener, stärker und enger«, sagte der lange verletzte Eispiraten-Stürmer Patrick Klöpper vor dem Saisonauftakt Mitte September. Die Klubspitze formuliert Ziele nur vage: »Wir wollen um einen guten Platz im Mittelfeld mitspielen«, so Eispiraten-Gesellschafter Ronny Bauer.

Mittelfeld, Finalrunde – das wird keine leichte Sache. Nach sechs Spieltagen, fanden sich die Eispiraten nach einer 3:5-Niederlage bei den Dresdner Eislöwen und einer glatten 0:5-Heimpleite gegen den amtierenden DEL-2-Meister Ravensburg Towerstars am Tabellenende wieder. »Derzeit vergisst im Spiel fünf gegen fünf immer einer seine Aufgabe«, motzte Eispiraten-Coach Danny Naud. Er erwarte eine Trotzreaktion: »Die Jungs müssen vom Verlieren endlich die Schnauze voll haben.« Die Ergebnisse wurden besser. In den folgenden drei Partien holten »die Jungs« sechs Punkte. Ein kleiner Befreiungsschlag.

Und wie war die Punkteausbeute zuletzt? Zwei von drei möglichen Punkten fuhren Naud und Co. am vergangenen Freitag für ein 5:4 nach Penaltyschießen beim Altmeister EV Landshut ein. Keine 48 Stunden später verloren die Umland-Zwickauer 2:3 gegen Vizemeister Löwen Frankfurt. Wieder fiel die Entscheidung im Penalty. Dafür gab es nur einen Punkt.

Ein Viertel der Hauptrunde in der DEL2 (mit 13 Spielen) ist absolviert. Die Eispiraten sind Zehnter und erhielten damit ein Pre-Play-off-Platz. »Der Trend ist positiv«, meinte Naud. Am Freitag geht’s gegen Tiernamen weiter: Zu Gast sind die Falken aus Heilbronn, dann, am Sonntag, steht das Prestigeduell in Weißwasser bei den Lausitzer Füchsen an.

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