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Aus: Ausgabe vom 23.10.2019, Seite 10 / Feuilleton

Hennig, Gliege

Von Jegor Jublimov
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Vorsitzender der deutschen Bukowski-Gesellschaft: Autor Falko Hennig

Klappern gehört zum Handwerk. Das hat Falko Hennig verinnerlicht, denn er feierte zwei Wochen vor dem Mauerfall seinen 20. Geburtstag und war jung genug, die neuen Regeln zu lernen. Seinen gestrigen 50. feiert der Berliner Autor, Lesebühnen- und Radiokünstler, Rikschafahrer, Vortragsreisende und Mitglied der deutschen Autorenfußballnationalmannschaft mit einer ganzen Jubiläumswoche an mehreren Berliner Veranstaltungsorten in Prenzlauer Berg, Mitte und Wedding. Da ist für jeden etwas dabei.

Ausgerechnet beim Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR hat er Schriftsetzer gelernt, stieß dann bald zur schreibenden Zunft, aber da Zeitschriften wie Scheinschlag, Hebammeninfo und auch junge Welt nicht viel abwarfen, arbeitete er zudem als Taxifahrer, Pförtner und Aktmodell. Ruhm ergatterte der Vorsitzende der deutschen Bukowski-Gesellschaft mit seinen Büchern, etwa »Alles nur geklaut«, »Radio Hochsee« und »Rikscha-Blues«, um nur ein paar Titel des omnipräsenten Künstlers zu nennen.

Ein Grafiker, der heute in Rathenow seinen 70. Geburtstag feiern kann und bis 1990 auch für die Junge Welt eifrig zeichnete, ist ein gutes Beispiel für vielfältige Möglichkeiten in den DDR-Medien. Eugen Gliege war nicht nur zeichenverrückt, sondern auch talentiert, so dass ihm schon in der Schule Lehrer rieten, sich mit der Redaktion der Kinderzeitschrift Atze in Verbindung zu setzen. Zunächst zeichnete Gliege während des Pädagogikstudiums an der Humboldt-Universität (natürlich als Kunsterziehungslehrer) für eine Studentenzeitung, konnte aber beinahe gleichzeitig seine erste Karikatur in der Tageszeitung Bauernecho unterbringen. Gern wäre er nach dem Studium freier Pressezeichner geworden, wurde aber erst Lehrer in seiner Heimatstadt Nauen. Daneben arbeitete er für Tribüne, Wochenpost, Trommel, und auch für die Spartenzeitschrift Unsere Jagd lieferte Gliege seit 1978 zahlreiche spezifische Zeichnungen sowie sechs Jahre lang die Comicserie »Elefant und Maus«. In der Illustrierten NBI war er ebenfalls über viele Jahre mit Comicserien vertreten.

1981 schaffte es Gliege, die Volksbildung, die eigentlich nie jemanden freigab, von seiner eigentlichen Berufung zu überzeugen. Mit seiner Frau Constanze ist er seither freier Grafiker und hat auch viele Bücher illustriert, etwa »Jagdhumor«, erschienen 1985 im Militärverlag der DDR. »Geadelt« wurde Gliege, als er bei Atze 1987 auserkoren wurde, die beliebten Mäuseabenteuer »Fix und Fax« von Jürgen Kieser zu übernehmen, und nach einiger Zeit auch die Verse dazu zu schreiben. In den letzten Jahren haben sich Eugen und Constanze Gliege auf Bücher zur Geschichte verschiedener Regionen in Brandenburg spezialisiert, dazu zählt auch ein von Fontane inspiriertes Havelland-Buch.

Debatte

  • Beitrag von Dieter R. aus N. (23. Oktober 2019 um 08:56 Uhr)
    Seit langem schon hatte ich die bürgerliche Tageszeitung abbestellt, weil ich es z.B. auch satt hatte, ständig die üblichen politischen Kampfbegriffe wie "Mauerfall"präsentiert zu bekommen. Insofern irritiert es mich schon, wenn in der jw zunehmend gleiches serviert wird, zumal es wie in diesem Artikel eigentlich in keinerlei innerem Zusammenhang steht.

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