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Aus: Ausgabe vom 19.10.2019, Seite 5 / Inland
Arbeitsbedingungen

Tarifstreit beigelegt

Gebäudereiniger machen Abstriche bei Forderungen zu Überstunden
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IG-BAU-Demonstration in Düsseldorf (8.10.2019)

Nach sechs ergebnislosen Verhandlungsrunden und mehreren Warnstreiks einigte sich die Gewerkschaft IG BAU mit der Kapitalseite in der Nacht zum Freitag auf einen neuen Rahmentarifvertrag für die 650.000 Beschäftigten der Reinigungsbranche. »Wesentlich mehr Reinigungskräfte haben dadurch künftig deutlich mehr im Portemonnaie«, kommentierte IG-BAU-Chef Robert Feiger das Ergebnis.

Vereinbart worden seien unter anderem höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht wie auch an Sonn- und Feiertagen. Außerdem soll es ab 2021 für alle Beschäftigten einen einheitlichen Urlaub von 30 Tagen auf Vollzeitbasis geben – egal, wie lange sie schon in der Branche tätig sind. Industrie- und Maschinenreiniger erhalten zudem künftig 75 Cent mehr Lohn pro Stunde. Bei der Frage nach Überstundenzulagen setzte sich jedoch die Kapitalseite durch. Eine bessere Vergütung soll es erst ab der neuten Arbeitsstunde am Tag geben. Teilzeitkräfte gehen daher leer aus.

Festgeschrieben wurde auch ein Weihnachtsbonus: Alle Beschäftigten sollen in diesem und im kommenden Jahr am 24. Dezember oder wahlweise Silvester als bezahlten Arbeitstag frei bekommen, und wer arbeitet, erhält für diesen Tag einen 150prozentigen Lohnzuschlag. Hier blieb die Einigung jedoch deutlich hinter den Forderungen der Beschäftigten zurück, die auf eine dauerhafte Weihnachtsgeldregelung ab 2019 gepocht hatten. Nun gibt es eine Übergangslösung. Bei den Verhandlungen über den Lohntarifvertrag im kommenden Jahr werde auch das Thema Weihnachtsgeld wieder auf den Tisch kommen, sagte Feiger. Die Kapitalseite hatte den Lohntarifvertrag zum 31. Juli 2020 gekündigt. (dpa/jW)