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Anis Amri: Drohvideo zurückgehalten?

Berlin. Innenpolitiker mehrerer Bundestagsfraktionen fragen sich, ob ein ausländischer Nachrichtendienst vor dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin im Dezember 2016 womöglich ein Drohvideo des späteren Attentäters bewusst zurückgehalten hat. Auf dem Video, das dem Bundesnachrichtendienst erst nach dem Terroranschlag zugegangen sein soll, ist nach Auskunft von Bundestagsabgeordneten zu sehen, wie Anis Amri eine Schusswaffe in der Hand hält und eine »Kopf-ab-Geste« macht. Es sei eine »Unverschämtheit«, wie die Bundesregierung bisher mit Anfragen des Parlaments zu dem Video umgegangen sein, sagte der FDP-Obmann Benjamin Strasser am Donnerstag am Rande einer Sitzung des Untersuchungsausschusses des Bundestages zum Anschlag auf dem Breitscheidplatz. Das Video, das Anis Amri mutmaßlich mit der späteren Tatwaffe zeigt, soll im November 2016 entstanden sein, als der Islamist von den Berliner Behörden als nicht mehr besonders gefährlich eingestuft wurde. Es sei erst am 9. März 2017 an das Bundeskriminalamt übermittelt worden. Der Generalbundesanwalt habe das Handyvideo bis heute nicht erhalten, kritisierte die Grünen-Obfrau Irene Mihalic. Hier sei die Chance verpasst worden, »zeitnah mögliche Mittäter zu identifizieren«, sagte Martina Renner (Linke). Mihalic erklärte, es sei wichtig zu erfahren, seit wann dem ausländischen Nachrichtendienst das Video bekannt war. (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.10.2019, Seite 4, Inland

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