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Aus: Ausgabe vom 11.10.2019, Seite 8 / Ansichten

Superdemokraten des Tages: Deutsche Welle

Von Sebastian Carlens
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Der deutsche Auslandsfunk hält sich an die Regeln: Solange es gegen China geht, sind Randale und Mollies gut

Apple ist für seine strengen Kontrollen bei Smartphone-Apps bekannt. Der Konzern zensiert nackte Brüste und Softpornos gnadenlos aus seinem App Store. Nackedeis haben keine Chance gegen die Zensoren – wohl aber Terrorhelfer in Hongkong: Ein speziell für die gewalttätigen Demonstranten in der Stadt programmiertes Tool sollte helfen, die Randalierer über die Standorte von Polizisten auf dem Laufenden zu halten. Man muss ja wissen, wohin die Brandflaschen zu fliegen haben.

Eine feine Sache, findet der Auslandssender Deutsche Welle, zeige das Unternehmen damit doch, »sich nicht jedem politischen Ansinnen Chinas unterwerfen« zu wollen. Die Amerikaner seien »nicht so devot wie Daimler« – der Autobauer hatte vor einiger Zeit einen Dalai-Lama-Skandal zu bewältigen und musste schlussendlich die Chinesen um Verzeihung bitten. Apple ist also tapferer, und das, obwohl der Konzern »stark von China abhängig« sei.

Es war dann doch zuviel Marktverquickung für die Heldenpose. Am Donnerstag, kurz nach der DW-Schlagzeile »Apple bietet Peking die Stirn«, knickte die Firma ein, die Aufstands-App wurde gelöscht. Der Sender meldete: »Wer es sich mit den Machthabern in Peking verdirbt, läuft Gefahr, sein Geschäft zu verderben.«

Es geht auch ohne Hin und Her: Der Computerspielehersteller Blizzard hatte einen seiner Profizocker, Ng Wai Chung, einfach gesperrt, nachdem der eine Liveübertragung für eine Tirade gegen China genutzt hatte – die Geschäftsbedingungen untersagen eben politische Äußerungen im Game. Dafür wird Blizzard nun in den USA die Hölle heiß gemacht: Boykottaufrufe, Shitstorms, Drohungen.

Im Westen ist das so: Brandstifter und Randalierer in Hongkong sind »Demokratie-Aktivisten«. Zu Hause aber – wie bei »G 20« in Hamburg – handelt es sich laut DW um »Exzesse« und »schwere Ausschreitungen«.

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