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Aus: Ausgabe vom 11.10.2019, Seite 1 / Inland
Antisemitische Gewalt

Ermittlungen nach rechtem Terror

Halle an der Saale: Festgenommener Stephan Balliet soll »Einzeltäter« gewesen sein
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Patronenhülsen nahe einem der Tatorte in Halle am Mittwoch

Nach dem rechtsterroristischen Anschlag am Mittwoch in Halle an der Saale, bei dem zwei Menschen starben, gehen die Sicherheitsbehörden von einem Einzeltäter aus. »Nach den aktuellen Erkenntnissen handelt es sich um einen rechtsextremistischen Terroranschlag eines Einzeltäters«, sagte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) am Donnerstag in Karlsruhe bei einem gemeinsamen Pressestatement mit Generalbundesanwalt Peter Frank. Gemeint ist der noch am Mittwoch festgenommene 27jährige Stephan Balliet. »Wir gehen davon aus, dass er aus antisemitischen, rechtsextremen Gründen handelte und die jüdische Synagoge in Halle zum Ziel hatte«, so Lambrecht weiter. Nur durch glückliche Umstände sei es ihm nicht gelungen, in die am Mittwoch wegen des jüdischen Feiertags Jom Kippur voll besetzte Synagoge einzudringen.

»Was wir gestern erlebt haben, war Terror«, äußerte Frank. Der am Mittwoch kurz nach dem Anschlag festgenommene Tatverdächtige habe sich zum Ziel gesetzt, in der Synagoge »ein Massaker anzurichten«. Neben mehreren selbstgebauten Waffen seien allein in seinem Pkw etwa vier Kilogramm Sprengstoff sichergestellt worden. Er werde noch im Laufe des Tages dem Ermittlungsrichter in Karlsruhe vorgeführt, um einen Haftbefehl zu erwirken. Die Bundesanwaltschaft beschuldigt ihn des zweifachen Mordes, des versuchten Mordes in neun Fällen.

Ebenfalls am Donnerstag kündigte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) dauerhaft besseren Schutz für jüdische Einrichtungen in ganz Deutschland an. Dies werde ab sofort, nachhaltig und dauerhaft geschehen. »Dieses brutale Verbrechen gestern ist eine Schande für unser ganzes Land. Bei unserer Geschichte darf so etwas in Deutschland eigentlich nicht passieren«, so Seehofer.

Nach Angaben des Generalbundesanwalts wollte der Täter mit seinem Video und einem Manifest weltweit Wirkung erzielen. Es werde jetzt unter anderem den Fragen nachgegangen, wie er sich so radikalisieren und er sich die Waffen besorgen konnte. (Reuters/dpa/jW)

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