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Aus: Ausgabe vom 10.10.2019, Seite 2 / Inland
Muslime im Visier

Razzien wegen Drohschreiben

Durchsuchungen bei Neonazis in vier Bundesländern
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Neonazis marschieren anlässlich des 31. Todestags von »Führerstellvertreter« Rudolf Heß durch Berlin (18.8.2018)

In mehreren Bundesländern haben Einsatzkräfte der Polizei am Mittwoch Razzien gegen Neonazis durchgeführt. Grund dafür waren mehrere Drohschreiben mit islamfeindlichen Inhalten, die sich unter anderem gegen Moscheen, »Anker-Zentren«, Parteizentralen und Medienhäuser richteten, wie die Leipziger Volkszeitung am Mittwoch online berichtete. Objekte von insgesamt sieben Beschuldigten wurden demnach in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Bayern durchsucht, wie die Generalstaatsanwaltschaft München und das bayerische Landeskriminalamt (LKA) mitteilten. Die Verfasser der Schreiben sollen auch mit Sprengstoffanschlägen gedroht haben.

Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) seien sechs der sieben Beschuldigten vorläufig festgenommen und nach Abschluss der Razzia wieder freigelassen worden. Der siebte Beschuldigte sei zunächst nicht angetroffen worden. Sichergestellt worden seien dem Bericht zufolge Datenträger wie Computer, Mobiltelefone und Festplatten. »Sämtliche Beschuldigte stehen schon länger im Fokus polizeilicher Ermittlungen«, sagte ein LKA-Sprecher.

In Bayern habe es drei Durchsuchungen gegeben: jeweils eine in Oberbayern (Landkreis Rosenheim), Niederbayern (Landkreis Straubing-Bogen) und Oberfranken (Landkreis Bamberg). In Baden-Württemberg seien zwei Objekte durchsucht worden (Region Stuttgart und Landkreis Sigmaringen), in Sachsen-Anhalt (Landkreis Mansfeld-Südharz) und Thüringen (Stadt Suhl) gab es jeweils eine Durchsuchung.

Anlass waren Ermittlungen der Behörden und der bayerischen »Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus« gegen die mutmaßlichen Urheber von insgesamt 23 Drohschreiben, die zwischen dem 8. Juli und dem 23. Juli bundesweit per E-Mail an verschiedene Institutionen verschickt wurden. Davon betroffen seien unter anderem »Anker-Zentren« für Geflüchtete in Bayern, islamische Zentren, Moscheen, Parteizentralen sowie Presse- und Medienagenturen.

Unterzeichnet waren die Drohschreiben mit »Volksfront«, »Blood and Honour (trotz Verbot sind wir nicht tot)« oder »Combat 18«. Das internationale Neonazinetzwerk »Blood and Honour« (Blut und Ehre) ist in der BRD verboten, dessen bewaffneter Arm »Combat 18« jedoch nicht. Die »Volksfront« ist eine ursprünglich aus den USA stammende faschistische Organisation. Offiziell hatte sie sich 2012 aufgelöst. (AFP/jW)

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