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Welten falten

Von Rafik Will
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»Oru« für falten, »kami« für Papier: Origamivögel

Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk verhallt der Ruf nach mehr Vielfalt nicht ungehört: Die ganze Woche lang widmet sich das Kulturradio WDR 3 dem Thema »Origami«. Die japanische Kunst des Papierfaltens war der Lebensinhalt des ehemaligen Biologen am Max-Planck-Institut Erwin Hapke. Er erbastelte in 35 Jahren in einem Haus in Unna Hunderttausende Faltfiguren, wovon vor seinem Tod niemand wusste. Eine Aufarbeitung der Hinterlassenschaften Hapkes erfolgt in Form von Thomas Kösters und Christian Möllers fünfteiligem Feature »Der Weltenfalter« (WDR 2019; Ursendung Mo. bis Fr., jeweils 19 Uhr, WDR 3).

Wie irrational Autos sind, erörtert die Sendung »Rotten system! – rotten world? – [exit!-Lesekreis HH]: Wie verrückt ist der Automobilismus?« (Mi., 8 Uhr, FSK), während in Benjamin Maacks Science-Fiction-Hörspiel »Ikaria 6« (NDR 2017; Teil 2/2 Mi., 20 Uhr, NDR Kultur) ein Raumschiff mit Atomkraft durch die Gegend düst. An Bord der »Ikaria 6« ist eine Astronautengruppe, die befürchten muss, von einer blauen Glibberintelligenz übernommen zu werden und dabei den eigenen Verstand zu verlieren.

Den Verstand verliert auch ein Autofahrer, Hauptfigur in Lucille Fletchers Krimi »Der Mann an der Brücke« (BR 1950; Mi., 20 Uhr, Bayern 2), der immer wieder demselben Anhalter begegnet. Im Meer herrscht nicht nur keine Stille, sondern es wird sogar ordentlich Lärm produziert. Tiefseebohrungen und ähnliches haben dabei auch Auswirkungen auf das Leben im Ozean. Welche, zeigt Brigitte Kramer in ihrem Feature »Lärm in der Tiefe – Wie Unterwasserkrach die Meere kaputtmacht« (BR 2018; Mi., 22 Uhr, SWR 2).

Sich alternative Geschichtsverläufe auszudenken bietet Autoren die Möglichkeit, römische Imperatoren mit Laserschwertern und Düsenjets auszustatten. Aber man kann auch reizvollere Sachen damit anstellen, wie Nicola Nord und Andcompany & Co. in »Little red (play): herstory« (DKultur 2008; Do., 22 Uhr, DLF Kultur) zum Beispiel. Hier hat der Sozialismus gesiegt, und die Weltrevolution wird an ihr erfolgreiches Ende geführt.

Wandteppiche, die Storys erzählen, kann man im Moment in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt am Main, bewundern (siehe jW von gestern). Mit ihrer 1970 gestorbenen Urheberin setzt sich Marietta Schwarz in »Gewebte Geschichte(n) – Die Textilkünstlerin Hannah Ryggen« (DLF 2019; Fr., 20.10 Uhr, DLF) auseinander. Und nach Skandinavien führen noch weitere Sendungen, denn Norwegen ist ja Gastland auf der Buchmesse. So bringt Hinrich Schmidt-Henkel »Nicht nur Fjord und Fjell – Eine Lange Nacht der norwegischen Literatur« (DLF Kultur/DLF 2019; Sa., 0 Uhr, DLF Kultur und 23 Uhr, DLF) ins Radio, und von Ulrike Janssen kommt »Von der Haltbarkeit des Satzes – Das Schreiben des Tomas Espedal« (WDR 2019; Sa., 12 Uhr und So., 15 Uhr, WDR 3).

Die sehr radiotaugliche Frage nach den Schöpfern der Kassettenkindergeneration greift Silke Wolfrum in ihrem Feature »Die drei Fragezeichen und ihr unheimlicher Erfolg« (BR 2019; Sa., 13 Uhr und So., 21 Uhr, Bayern 2) auf. Mark Zak führt mit seinem Krimi »Glaube, Liebe, Mafia« (WDR 2013; Sa., 17 Uhr, WDR 5) in die Kölner Unterwelt.

In die Sexploitation-Hölle führt Jörg Buttgereits »Satan Was a Lady« (WDR 2019; Ursendung So., 19 Uhr, WDR 3 und Wdh. Mo., 23 Uhr, WDR 1 live), und was in 50 Jahren im Radio läuft, wissen Olaf Karnik und Volker Zander: »Zukunftsmusik – Wie die Musik von morgen heute klingt« (DLF 2016; So., 20 Uhr, DLF).

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