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Aus: Ausgabe vom 25.09.2019, Seite 8 / Ansichten

Falschparker des Tages: HH 6

Von Kristian Stemmler
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Parkgelegenheit gesucht und gefunden: Wasserwerfer der Hamburger Polizei in Dresden

Hamburgs Polizei hat spätestens seit dem G-20-Gipfel im Sommer 2017 den Ruf, mit Demonstranten, die nach links abweichende Meinungen vertreten, nicht eben zimperlich umzugehen. Aktuell steht sie wegen der brutalen Räumung einer blockierten Straßenkreuzung beim Klimastreik am vergangenen Freitag in der Kritik. Zur Ablenkung von diesen unschönen Schlagzeilen kommt eine kuriose Begebenheit gerade recht, die am Dienstag für Gelächter in den »sozialen Netzwerken« sorgte.

Ein Journalist von Radio Dresden hatte beim Kurznachrichtendienst Twitter ein Foto von einem Wasserwerfer des Typs 10000 (kurz: WaWe 10) gepostet, der im Dresdner Stadtteil Strehlen geparkt worden war. »Vermisst Ihr einen Wasserwerfer?«, wollte er von der Dresdner und der Hamburger Polizei wissen. Eine daraufhin entsandte Streifenwagenbesatzung fand heraus, dass das Fahrzeug aus Hamburg stammt. Das war nicht schwer, weil groß »HH 6« dran steht.

Was aber machte der WaWe 10 alias HH 6 in Dresden? Rasch geäußerte Spekulationen, die Hamburger Polizei habe den sächsischen Kollegen handwerkliches Know-How für das Auflösen unerwünschter Demonstrationen vermitteln wollen, erwiesen sich als falsch. Tatsächlich war das Gefährt zur Reparatur nach Österreich geschickt worden und von dort zu einer Außenstelle der Firma im brandenburgischen Luckenwalde unterwegs. Der Fahrer hatte sich, um die gesetzlichen Ruhezeiten einzuhalten, in einem Hotel einquartiert – und das Ungetüm kurzerhand mitten auf dem Bürgersteig abgestellt.

Zwar meinte die Dresdner Polizei, das Fahrzeug könne im Zweifelsfall wie ein großer Lkw angesehen werden, ließ den WaWe 10 dann aber doch lieber auf ein polizeieigenes Gelände verbringen. Ob ein Bußgeld wegen Falschparkens fällig wird, sei noch offen.

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