Schwarzer Kanal
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Aus: Ausgabe vom 23.09.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Klimakiller Militär

Zu jW vom 18.9.: »›Sitzen bleiben, damit es endlich vorangeht!‹«

Krieg, Militär und Rüstungsindustrie sind Hauptverursacher von Treibhausgasemissionen, Feinstaubbelastungen und Umweltkatastrophen weltweit. Im Kyoto-Protokoll und den anderen UN-Klimadokumenten einschließlich der Charta von Paris wurden diese (…) auf Druck der NATO-Staaten allerdings absichtlich ausgeklammert und in Statistiken nicht extra ausgewiesen. Treibhausgase von Miltärflugzeugen und -fahrzeugen werden dem Verkehr, Treibhausgase aus der Kriegswaffenproduktion der Industrie zugeschrieben. Die Emissionen der Bundeswehr steigen mit den zunehmenden Auslandseinsätzen, mit der ausufernden Kriegslogistik der Bundeswehr und mit dem angestrebten Ausbau der Streitkräfte und der Steigerung der Militärausgaben. Die militärbedingten Emissionen entstehen nicht nur durch die unglaublich vielen Flugstunden der Kampfjets in Kriegseinsätzen. Die damit verbundenen Bombardierungen setzen zusätzliche Umweltgifte frei. In einer Flugstunde des Jagdflugzeugs »Eurofighter« wird mit elf Tonnen soviel Kohlendioxid ausgestoßen, wie durchschnittlich eine in Deutschland lebende Person im gesamten Jahr produziert. (…) Ein Kampfpanzer »Leopard 2« wiegt zwar nur 35mal soviel wie ein Diesel-Pkw (VW-»Passat«), verbraucht aber einhundertmal soviel Kraftstoff pro Kilometer. (…) Ein einziger Fehlschuss im Emsland 2018 verursachte einen wochenlang nicht zu löschenden Moorbrand und setzte größere Mengen an Treibhausgasen frei, als durch alle steuerfinanzierten CO2-Einsparmaßnahmen desselben Jahres vermieden wurden. Die Abschaffung der Bundeswehr – das ist Klimaschutz!

Ralf Cüppers, Flensburg

Weiße Rose

Zu jW vom 12.9.: »Noch Fragen?«

Und noch ein Rätsel: Es gilt als möglich, dass die Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl sich nach B. Travens Roman »Die weiße Rose« (1929) benannte. Hans Scholl hätte dann andere Erklärungen bis hin zu einer »rein willkürlichen« Namenswahl vorgebracht, um die Gestapo zu täuschen. (…) Die Story handelt vom Landraub einer US-amerikanischen Ölgesellschaft in einem Gebiet von Indigenen in Mexiko. Ganz nebenbei werden am Beispiel von Streiks und der Weltwirtschaftskrise der 1920er Jahre Entstehung und prinzipielle Unvermeidbarkeit kapitalistischer Krisen überaus flüssig lesbar und verständlich dargestellt. Zur Lektüre gerade heute wärmstens zu empfehlen!

Bernhard May, Solingen

Erpressung mit Risiko

Zu jW vom 12.9.: »Autokonzerne im Fadenkreuz«

Inzwischen drängt sich der Eindruck auf, dass die Autoindustrie überhaupt kein ernsthaftes Interesse an einer zeitnahen Lösung der von ihr verursachten gravierenden Probleme hat, sondern vielmehr das Ganze so lange wie nur irgend möglich hinauszuzögern beabsichtigt; denn so lange ist jede Regierung erpressbar und wird unter dem (…) Druck der Öffentlichkeit in zunehmendem Maße bereit sein, immer mehr an Subventionen aus Steuermitteln fließen zu lassen. Doch wenn chinesische Innovationen die westlichen Hersteller aus dem Markt drängen, wird ein Umsteuern einsetzen. Dann könnte es allerdings zu spät und die letzte Ausfahrt bereits verpasst sein.

Reinhard Hopp, per E-Mail

Keine Alternative

Zu jW vom 12.9.: »Autokonzerne im Fadenkreuz«

Sind Elektroautos wirklich »besser« als Verbrenner? Natürlich unterscheiden sich die beiden, wenn der Ausstoß direkt am Automobil gemessen wird. Aber planetar betrachtet, ist Elektromobilität keineswegs klimaneutral. Zudem wird gerne ausgeblendet, dass auch Elektroautos eben Autos sind. Das heißt, sie nehmen denselben Platz weg und fahren zumeist mit drei leeren Sitzen völlig sinnlos umher. Im Stadtverkehr sind sie im Tür-zu-Tür-Vergleich selten das schnellste Verkehrsmittel (zu Fuß, per Rad und mit der U-Bahn ist immer schneller). Und auch Elektroautos würden jeden Tag tödliche Unfälle im Dutzend hervorrufen.

Axel Georges, per E-Mail

Ohne Rotlicht

Zu jW vom 18.9.: »Die loyalste Opposition«

(…) Der langjährige Frontmann von PDS und Die Linke Gregor Gysi erklärte in einem ND-Interview Anfang der 90er Jahre, er sei »nur« in zwei Fragen – denen der Macht und des Eigentums – »vom Marxismus weg«, und: »Wir waren keine kommunistische Partei, wir sind keine kommunistische Partei, und wir werden niemals eine kommunistische Partei sein.« Der Zustand der Partei Die Linke kann daher nicht verwundern (…). Als ich vor Jahren dem Kreisverband vorschlug, Grundlagenwissen zum Marxismus-Leninismus zu vermitteln, sagte man: Wir brauchen keine Rotlichtbestrahlung wie zu DDR-Zeiten. Selbst führende Funktionäre auf Kreisebene wissen nichts vom Doppelcharakter der Ware und der Ware Arbeitskraft, nichts vom Mehrwertgesetz usw., sind daher der Meinung, auch im Kommunismus müsse es noch Privateigentum an Produktionsmitteln geben. Wenn sie und die Mitglieder aber keine Kenntnisse und damit keinen Kompass haben, können sie auch nicht wissen, dass der Staat das Machtinstrument der herrschenden Klasse ist. Sie stellen daher auch nicht die Systemfrage, obwohl das Grundgesetz dies nicht verbietet. (…) Wenn sich das nicht umgehend ändert, versinkt die Partei in der Bedeutungslosigkeit. (…)

Wolfgang Reinhardt, Nordhausen

Nicht durchdacht

Zu jW vom 20.9.: »Wende per Autopilot«

Gibt es eigentlich irgendwelche Gremien, die sich rechtzeitig mit den möglichen sozialen Folgen des autonomen Fahrens befassen? Bevor Verkehrsminister Andreas Scheuer das flächendeckend zulässt? Wohin mit den Hunderttausenden, die bisher die Taxis und die Lkw fahren? (…) Und was machen die (…) Nerds, wenn ihr vollautomatisches Fahrzeug und das ganze mit Steuermilliarden gesponserte System kollabieren? Vielleicht bricht dann ja auch das System unserer »marktkonformen Demokratie« zusammen.

Klaus Landahl, Halstenbek (Onlinekommentar)

Wenn chinesische Innovationen die Autohersteller aus dem Markt drängen, wird ein Umsteuern einsetzen. Dann könnte die letzte Ausfahrt schon verpasst sein.

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